Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Rezension: Lulu, Merlin und der Traum vom Fliegen

Heute geht es mal um ein Kinderhörspiel von Martin Rühl und Frederic Jacob: „Lulu, Merlin und der Traum vom Fliegen“.

Skript:

Dreh und Angelpunkt des Hörspiels ist eine ungleiche Freundschaft zwischen dem Raben Merlin und dem Kuckuckskind Lulu. Beide sind gleichermaßen Verstoßene innerhalb einer Rabengesellschaft und fristen ein Dasein am Boden des Waldes. Der alte Rabe Merlin nimmt Lulu, die aus dem Nest geschmissen wurde, auf und lehrt ihr vieles über und aus dem Leben. Auch Lulu bringt dem alten Raben wieder Lebensfreude zurück, sodass wir hier eine klassische Win-Win-Situation vorfinden. Dennoch: ihr gemeinsamer Traum ist das Fliegen, was beiden allerdings physisch unmöglich ist. Bald findet sich aber mithilfe eines Maulwurfs eine waghalsige Lösung des Problems…!

Respekt an Martin Rühl für das Setting und den Plot (jetzt wird’s englisch). Ist nicht leicht eine gute Kindergeschichte zu erfinden, natürlich schwebt in der Geschichte die Moral leise mit. Das darf sein – stört maximal Erwachsene. Die Figuren sind sauber und einfallsreich herausgearbeitet und haben auf jeden Fall mein Herz gewonnen. Einzig den Verlauf der Geschichte könnte ich etwas bemeckern. Ich hätte es nämlich spannender gefunden, wenn sie nicht nur aus Interesse und Begeisterung fortfliegen wollten, sondern weil sie die äußeren Umstände dazu zwingt. Zum Beispiel ein besonders harter Winter oder Holzfäller, u.ä.! Dann hätte dringender Handlungsbedarf bestanden und sogar ein gewisser Zeitdruck – so habe ich nur selten existenziell um die beiden Protagonisten gebangt, denn eigentlich kann ihnen ja nichts passieren, außer dass sie eben zu Hause bleiben. Da geht ein bisschen Spannung verloren. Ich bin letztlich nicht die vornehmliche Zielgruppe. Gelangweilt hab ich mich jedenfalls nicht, ich fühlte mich sehr gut unterhalten und war zudem angetan von den natürlichen und kindgerechten Dialogen.

Sprecher:

Die Sprecher empfand ich in allen Rollen als passend. Dass Robert Frank ein fantastischer, vielfältiger Sprecher ist, weiß man mittlerweile, trotzdem bin ich persönlich sehr beeindruckt, was Robert Frank hier aus seiner Stimme herausgeholt hat. Wenn man seine „normale“ Stimme kennt, erkennt man ihn in dieser Rolle kaum wieder. Auch die vielen eingestreuten Krächz-Laute gefielen mir und könnten eventuell auch dem jüngeren Publikum Freude bereiten. Zu Erzählerin Tanja Niehoff: da habe ich glatt in die Credits geschaut, weil ihre sehr schöne, angenehme Erzählstimme von Anfang überzeugte. Christiane Marx gefiel mir auch in der Rolle der Lulu – zuckersüß! Marcus Dübel hatte ich bisher noch gar nicht (oder nicht bewusst) gehört, spricht aber einen einwandfreien, authentischen, leicht verwirrten Maulwurf. Die Stimme der Credits – also Herbert Ahnen – hätte auch gut auf eine Rolle passen können – aber es gab ja leider nur drei Rollen. Insgesamt eine durchweg sehr gute Sprecherleistung.

Schnitt:

Der Schnitt ist eine äußerst runde Angelegenheit aus den Händen von Frederic Jacob. Vom ersten Jingle bis zu den Credits wurde eine stringente, passende Stimmung erzeugt. Die Raben als Grundthema, der Wind, die Flügelschläge, alles passt sich in das Gesamtbild ein und erzeugt eine Produktion wie aus einem Guss. Im Bereich der Vertonung gibt es wirklich aus meiner Sicht nichts zu beanstanden.

Musik:

Das Lied am Ende des Hörspiels ist natürlich das Highlight der Produktion, aber auch zuvor weiß die Musik zu unterstreichen, statt zu übertünchen. Den Komponisten ein Lob: 

Cover:

Ein wirklich schön gemaltes Bild, das Kinderaugen sofort anspricht (meine Augen aber auch). Hier wurde jedes Detail beachtet und handwerklich einwandfrei umgesetzt. Nur ein kleiner Wehrmutstropfen: das Cover verrät leider bereits die Lösung des Flugproblems, sodass diese Szene dann schließlich ganz und gar keine Überraschung mehr ist.

Fazit:

Eines der besten Kinderhörspiele, das ich bisher hören durfte, mit Leichtigkeit vorgetragen und stimmungsvoll umgesetzt. Zwei kleine Kritikpunkte lassen sich auftreiben, aber stören den Gesamteindruck nicht besonders.

R. M. Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Januar 2012 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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