Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Der Bücherstapel – Heute: Der Anfang

Lieber Leser,

ich bin ein Bücherwurm! Eigentlich mag ich dieses Wort ja nicht so. Ein Wurm ist ja nicht gerade sehr männlich. Lümmelt ziemlich faul im Sessel oder schmökert im Bett bis es raucht. Am liebsten den ganzen Tag. Und weil er so viel lesen tut, hat er natürlich auch eine Brille. Eine sehr dicke Brille, vielleicht eine dieser schrecklichen Hornbrillenmodelle aus den 50ern.

Auch das Wort Leseratte ist eher negativ besetzt. Ratten, das Ungeziefer der Abwasserkanäle. Sie leben im Verborgenen, fressen was ihnen in die Quere kommt und übertragen gerne auch mal die Pest. Alles keine sehr schönen Synonyme. Da können wir nur froh sein, dass Bücher nicht fliegen können, sonst würde es wohl Lesetaube heißen.

Okay, es ist natürlich auch möglich einfach Leser zu sagen oder Vielleser, aber das klingt so trocken wie eine Woche altes Brot. Bücherliebhaber klingt da schon besser, aber mal ehrlich: dieses Wort hat etwas zu viel Länge und die Silben könnten auch weniger sein. Denn wie heißt es so schön: In der Kürze liegt die Würze! Und den kennt deshalb jeder, weil kein Wort mehr als zwei Silben hat.

Bücherfreund ist da schon besser. Es ist kürzer, besonders im singulären Buchfreund. Zwar ist der Sex aus dem Kontext verschwunden, aber Hand aufs Herz: Wer schläft schon mit Büchern?

Das Synonym Bibliophiler ist korrekt, denn es bezeichnet die Wirkung von Büchern auf den Betroffenen ohne jegliche Unterstellung. Allerdings: es ist einfach nur Fachvokabular und zudem schwer zu lesen. Passend vielleicht für einen hochessayistischen Text, aber nicht für den Otto-Normal-Verbraucher zu gebrauchen.

Angetan hat es mir dagegen das Wort Buchnarr. Wie der Freund ist es kurz und prägnant, doch ähnelt es von seiner Bedeutung mehr der Leseratte, ohne jedoch der betreffenden Person zu unterstellen einfach nur im Müll des Literaturbetriebes zu wühlen. Klar beinhaltet es auch eine Stigmatisierung, doch seien wir mal ehrlich – wer nur für Bücher lebt muss schon ziemlich verrückt sein…

Weitgehend unbekannt, aber umso schöner, ist das Wort Bibliomane. Es beinhaltet den selben Aspekt des Viellesers, also einen krankhaften bzw. suchtähnlichen Konsum von Büchern, ohne jedoch eine Stigmatisierung zu beinhalten. Dadurch besitzt es zwar nicht die Kraft des Buchnarrs, ist jedoch für den argumentativen Hausgebrauch gut geeignet.

Ich bin also ein Bibliomane. Und weil ich das bin, werde ich fortan in unregelmäßiger Folge in meinen großen Bücherstapel greifen und liebgewonnene Bücher rezensieren. Wen es interessiert, abonniere einfach diebelletristen. Wer weiß, vielleicht ist die eine oder andere Entdeckung dabei.

Manuel Zirm

Über Manuel

Manuel Zirm arbeitet in Schwerin als Pressesprecher und berichtet von Zeit zu Zeit über das Leben und Arbeiten in der mecklenburg-vorpommerischen Landeshauptstadt.

2 Kommentare zu “Der Bücherstapel – Heute: Der Anfang

  1. R. M. Beyer
    11. Januar 2012

    Grundsätzlich stehe ich Wortfindungsdiskussionen skeptisch gegenüber. Erinnert mich immer ein wenig an den Loriot-Sketch, in dem die Begriffe „Umwelt“ und „Karneval“ in den Begriff der „Frau“ integriert werden mussten – oder andersrum, je nach dem. Ist der Tippfehler in der Übersicht Absicht (Bücherstabel)? Im Text schreibst du’s ja richtig. Übrigens: Hornbrillen sind wieder modern, und zwar in Schwarz. Achte mal drauf!

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    • diebelletristen
      11. Januar 2012

      Okay, einen Cent in die Rechschreibfehlerkasse. Aber die ganzen Kommata-Fehler hast du übersehen? 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Januar 2012 von in Aktuelles, BÜCHER_kiste, kontro_VERSE und getaggt mit , .

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