Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Die Badewanne des Teufels

Liebe Leser,

es ist schon faszinierend dieses Wort: Belletrist. Es stecken zwei Worte in diesem Begriff: Das Schöne (Belle) und das Traurige (Trist). Es ist ein harmonisches Paradoxon, ein Begriff der zwei unvereinbare Dinge verbindet: die Freude am Tristen.

Ebenfalls ein Ort des Paradoxen ist Berlin.

Wo sonst kann Armut sexy sein? Wo sonst kann man mit Armut Millionen Touristen jedes Jahr anlocken und den fetten Reibach machen. Nun, wohl nur in Berlin. Und da Berlin in der Liga der (ehemals) geteilten Städte auf dem 1.Platz wie einbetoniert steht, gibt es im Alltag kaum mehr für möglich gehaltene Beobachtungen. Etwa beim Bier. Ohne für ein bestimmtes Bier Werbung machen zu wollen, möchte  ich an dieser Stelle einmal das Porter-Bier einer Lausitzer Brauerei erwähnen. Der ostdeutsche Gerstensaft ist von Dresden bis zur Ostsee erhältlich, also auch in Berlin. Denkt man! So gibt es den ehemals Ostberliner Stadtbezirken überall das Porter, auch in Stadtbezirken wie dem Wedding ist Porter in jedem Netto-Supermarkt zu finden. Nun bin ich aber nach Westend gezogen und was muss ich feststellen: obwohl nur ein paar wenige Kilometer vom Wedding entfernt, gibt in den Nettos hier kein Porter-Bier. Ost-West, noch immer nach 21 Jahren Wiedervereinigung.

Ein anderes Kulturgut versöhnt dagegen dann wieder mit dem Westend. Es geht um das FKK-Baden. Gemeinhin wird das ja vor allem mit der DDR verbunden,- obwohl die ja von staatswegen her ein zutiefst prüder Staat war (was die junge Bevölkerung aber nicht davon abgehalten hat, Ficken zum Volkssport Nummer 1 zu machen, wenn man einem RoRoRo-Reiseführer aus dieser Zeit Glauben schenken darf ), und tatsächlich erfreute sich die FKK-Bewegung relativ großer Beliebtheit.

Wer jedoch meint, Westberlin hätte in Sachen FKK nichts zu bieten, der fahre einmal zum Teufelssee, die Badewanne West-Charlottenburgs. Der kleine See inmitten des Grunewalds ist der Ort um ungestraft einmal alle Hülle fallen zu lassen. Nicht nur werden hier nackte Tatsachen ungeschminkt und ungeschönt präsentiert (und im trüben Wasser erfrischt), nein, es lassen sich auch faszinierende Beobachtungen machen. Ob Kraftraum-gestählte Bodies, der örtliche Asket oder  Männer im seltsamen FKK-Tütü (was wohl um 1900 mal in Mode war); ob pfundschwere Weibsbilder, sexy Bienen oder deutscher Durchschnitt, alles ist dabei. Nicht immer unbekleidet, aber der gute Wille zählt.

Wer also diesen Sommer in Berlin mal ins grüne Nass springen will, kann dies gerne im Grunewaldsee tun. Eis gibt es meistens und nebenan sogar eine Bioeismanufaktur.

Also. Wir sehen uns diesen Sommer. Und Frohes Schlecken!

Manuel Zirm

Über Manuel

Manuel Zirm arbeitet in Schwerin als Pressesprecher und berichtet von Zeit zu Zeit über das Leben und Arbeiten in der mecklenburg-vorpommerischen Landeshauptstadt.

Ein Kommentar zu “Die Badewanne des Teufels

  1. R. M. Beyer
    11. Januar 2012

    Ein weiterer schöner Einblick ins Berliner Stadtleben! Die Sache mit dem Porter kann dir hier in Dresden auch passieren. Liegt einfach daran, dass Netto kein standardisiertes Biersortiment hat und daher die eine Filiale mal das, die andere das anbietet. In meinem Netto gibt es kein einziges alkoholfreies Bier. Absicht?🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Januar 2012 von in Aktuelles, kontro_VERSE und getaggt mit , .

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