Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Rezension: Dr. Ernst Garner 3 – Katzenjammer

Es schickt sich zwar nicht, bei einer Hörspielreihe zuerst den letzten Teil zu rezensieren, aber dennoch werde ich das im Folgenden tun. Nicht zuletzt, weil gerade eine Neufassung des ersten Teils produziert wird. Darüber wird also zu sprechen sein, wenn das Teil vom Band gelaufen ist. Hier aber wird es zunächst um den dritten Teil der „Dr. Ernest Garner“-Reihe gehen: „Katzenjammer„.

Skript:

Es fällt schwer, die gesamte Reihe wiederzugeben, denn eines muss gesagt: Garner ist kein Episodenhörspiel, sondern eine zusammenhängende Geschichte von Teil 1 bis zu Teil 3 und wohl auch darüber hinaus. Der Titelheld ist ein deutscher Dozent für Völkerkunde und noch dazu ein recht junger. Im Laufe der letzten beiden Teile ist er zusammen mit seinem Kumpan Alfred Wagner auf einen Kult aufmerksam geworden, der sich u.a. für Ritualmorde verantwortlich zeigt: der Klotus-Kult. Garner vermutet eine heiße Spur im „Abteil 333“ eines Zuges gefunden zu haben und macht sich auf die Suche nach eben diesem Abteil. Jedoch wird auch Garner verfolgt: vom Orden des Re (hier kommt dann auch die titelgebende Katze ins Spiel). Wie das alles zusammenhängt, darum geht es in „Katzenjammer“.

Sehr fein, allmählich macht alles mehr Sinn, vor allem in Hinsicht auf die vorangegangenen Teile. In diesem Teil überzeugt mich der hervorragenden Einfall, Katzen zu thematisieren und auch hörbar in den Vordergrund zu stellen. Das schafft eine eigene Stimmung. Besonderen Respekt gebührt dem Autor Marco Ansing für den historischen Rückgriff im Prolog. Das gibt dem Gruselgenre deutlich mehr Tiefe. Schon allein dadurch hebt sich Garner ab von John Sinclair und lässt ein kleines bisschen Dorian Hunter blicken (ohne jetzt Schubladen aufzumachen). Leider muss ich zugeben, besonders in der Bahnszene nicht immer folgen zu können. Da geht es einfach zu schnell und ich kann einige Abläufe nicht richtig ordnen. Im späteren Hören wird es klar, aber hier fehlte hier ein Ordnungselement (bspw. der Erzähler). Abgesehen davon: Originelle Geschichte mit vielen persönlichen Gesprächen, die den Charakteren Tiefe verleihen. Bin gespannt auf die Fortführung.

Schnitt:

Grandios! Spannend und aufwendig geschnitten, dabei trotzdem nicht übertrieben effektvoll. Besonders das gute Panning ist mir aufgefallen (der rasende Roland fuhr durch meine Wohnung!) und die glaubhafte Soundkulisse. Auch die Geister-Szene mit den Buschbecks war technisch einwandfrei umgesetzt. In wenigen Szenen hätte der Bassanteil einiger Charaktere für meinen Geschmack niedriger sein können, weil dadurch ein naher Raumeindruck entsteht, während die andere Person weiter entfernt erscheint. Kann letztlich jedoch auch immer an meiner Anlage liegen. Der Schnitt von Bastian Lembrecht ist blitzesauber und stets glaubhaft.

Sprecher:

Auch ich kam am Anfang mit Garner als jungen Charakter schwer zurecht. Wahrscheinlich bedingt durch den Namen „Ernst“, der bei mir ältere Assoziationen weckte, was natürlich Unsinn ist. Marco Ansing hat sich aber im Laufe der Reihe sprecherisch und schauspielerisch entwickelt und so wirkt das Ganze ab Teil 2 konsistent und passend, sofern man sich eben einen jungen Dozenten vorstellt. Und damit finde ich, ist Marco Ansing nach wie vor eine ordentliche Wahl, auch wenn er – vor allem wenn es emotional wird – zu jugendlich interpretiert und nur wenig erwachsen wirkt. Markus Raab liefert einen sehr glaubhaften Alfred Wagner und bringt einen Kontrast in das Gespann. Tja, wen soll ich noch nennen? Alle Nebenrollen war passend und hochwertig besetzt. Vielleicht kann ich noch Boris alias Felix Würgler nennen, der mir äußerst positiv in Erinnerung ist. Oder mein steter Liebling Helmut Buschbeck (& seine Guddsde).

Musik:

Sehr gut. War stets passend, nie aufdringlich und sehr einfallsreich. Jan Schroeder findet hier eine angenehm unaufällige Art, das Hörspiel musikalisch aufzuwerten.

Cover:

Mir hat das Cover gefallen, gerade weil die Katze menschliche Züge entwickelt. Ich will zwar nicht zu viel vorweg nehmen, aber grafische Effekt ist durchaus gewollt. Darüber hinaus bleibt das Cover-Layout der Reihe treu.

Fazit:

Ein gelungenes Grusel-Hörspiel, das sowohl sprecherisch als auch inhaltlich Genre-Konventionen bricht. Wenn es nicht im Gange wäre, den ersten Teil neu aufzulegen, hätte ich es vorgeschlagen. Der ist zwar nicht schlecht, aber müsste an die technische und tlw. sprecherische Qualität der beiden Nachfolger angepasst werden, um an die hohe Qualität des hiesigen Teiles heranreichen zu können.

R. M. Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Februar 2012 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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