Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Rezension: Zombies in der Silvesternacht

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Als Zombie lebt es sich recht sorglos: man stillt vornehmlich den eigenen Hunger, indem man unschuldige Leiber aufreißt, und chillt ansonsten mit den Kumpels. Existenzängste schleichen sich da selten ein. Anders bei den Opfern. Sobald ein Zombie-Virus die Runde macht, rennen sie durch enge Gänge, dunkle Tunnel, leere Straßen, um dann doch schlussendlich gefressen zu werden. Im neuen Hörspiel „Zombies in der Silvesternacht“ (hoerspielprojekt.de) ahnt man schon am Titel, dass dieses Ur-Verhältnis beibehalten wird. Das Cover aus der Hand Herbert Ahnens bestätigt es: arglose Menschen eingefärbt in der Farbe des Blutes, darüber thront der Totenkopf.

Man muss voranstellen, dass es sich hierbei um eine nicht ernst gemeinte Persiflage handelt, die gleich mal zwei Ebenen aufs Korn nimmt: Zombies & die 80er. Diesen Umstand nicht beachtet, wird man unweigerlich der Meinung sein, das Skript wäre platt und die Charaktere klischeehaft. Und tatsächlich treffen wir sie alle: den Mad Scientist van Weyden, der den Zombievirus züchtet, die Gruppe unbedarfter Teenies, die peu-a-peu ums Leben kommen, den tapferen Police-Officer, der sein Leben aufs Spiel setzt und last-but-not-least ZOMBIES! Die Geschichte ist wunderbar einfältig und lässt keine Zombie-Reminiszenz aus, bis hin zum üblichen „Lasst mich zurück!“-Heldentod. Die Geschichte ist schnell erzählt: zur Silvesternacht schleichen sich die Teenies Sophia, Deedee, Chris, Melody und Herb in eine medizinische Einrichtung, um dort mal ordentlich Drogen zu klauen. Dort treffen sie auf die fehlgeschlagene Forschung Dr. van Weydens und schon beginnt der Überlebenskampf. Das ist nicht neu, aber für Kenner des Genres ungemein lustig und manchmal sogar spannend. In dem Sinne bietet die Zombies der Silvesternacht einen gelungenen Konterpart zum kürzlich erschienenen „Mein eigen Fleisch und Blut„, das die Thematik mit großem Ernst und tiefenpsychologisch aufgriff.

Die Sprecher geizen nicht mit ihrem Können. Hier wurde sehr ordentlich gespielt und Regie geführt. Besonders das Gespann der Teenies funktioniert hervorragend; alle spielen sich derart in ihre Rollen, dass man die doch große Gruppe von 5 Personen stets voneinander unterscheiden kann. Nennen wir sie mal beim Namen: Christiane Marx, Paul Conrad, Andreas Hegewald und Dagmar Bittner. Hervorheben möchte ich noch Jamie Leaves als Deedee, in deren Stimme man sich beinah verlieben könnte. Schon kommen wir zum zweiten Star: Christian Michalak, dessen Darbietung des Doc van Weyden das gesamte Hörspiel überragt. Kein bisschen überambitioniert spielt er einen glaubhaft schmierigen Mad Scientist. Doch wie gesagt: der gesamte Cast ist mehr als ordentlich.

Mehr als ordentlich auch der Schnitt aus der Hand Wolf Nilsons, inklusive der überwältigend passenden, abwechselungsreichen Musik, die sich ebenfalls aus Wolf Nilson, aber auch Tim Beutler und einer Menge anderer Künstler zusammensetzt. Viele neckische Spielereien lauern da. Wolf Nilson hat mit viel Detail-Liebe so manches kleines, verstecktes Kunstwerk geschaffen. Er zaubert mit Panning, Effekten und musikalischen Intermezzi, dass eine eigentlich lineare Geschichte einen Hauch von Deutschlandradio kostet. Der Hammer ist schließlich der Ohrwurm „Megakalt“ aus der Feder Wolf Nilsons. Dieses gibt den Zombies erstmals eine Stimme und erinnert positiv an die Neue Deutsche Welle.

„Zombies in der Silvesternacht“ ist herrlich trashig und dennoch blitzesauber umgesetzt. Mir bleibt nichts, als die Höchstwertung zu zücken.

5/5

R. M. Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

Ein Kommentar zu “Rezension: Zombies in der Silvesternacht

  1. Wolf Nilson
    9. Januar 2013

    Danke Martin!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. Januar 2013 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , , .

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