Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Filmkritik: Lady In The Water – Das Mädchen aus dem Wasser

Produktbild der DVD von amazon.de

Kaum ist die neue Rubrik „FILMdose“ aus der Taufe gehoben, veröffentliche ich schon eine Filmkritik zum Phantastik-Film „Lady in the Water“.

Der Unterschied zwischen Genie und Wahnsinn ist bekanntermaßen gering. So wandelt Shyamalans filmisches Gesamtwerk zwischen Blockbustern mit Bestbesetzung (Sixth Sense, Signs, usw.) und fragwürdigen Produktionen mit finanziellem Totalausfall. Das Mädchen aus dem Wasser gehört dabei leider zur letzteren Kategorie. Der Film wurde mit ca. 70 Mio. Dollar produziert und hat in etwa dieselbe Summe eingespielt. Also ein Nullrechnung, die Shyamalan bis heute das Leben schwer macht. Das Wunderkind ist eben keine sichere Investition mehr. Doch unabhängig finanzieller Aspekte, wie gefiel mir der Film?

Der Plot ist schwer erklärt. Die Grundsituation liegt in einer Entfremdung von Wasserwesen und Menschen, die hin und wieder gekittet wird, indem ein Narf (Nymphe) Kontakt mit den Menschen aufnimmt und zumindest einen besonders erleuchtet. Daraufhin soll es besser auf Erden zugehen. Das Problem liegt dabei in störenden Graswölfen, die – von Natur aus – böse sind und Interesse haben, jene Narfs zu verspeisen. Hinzu kommt ein Riesenadler, der die Nymphe abholen soll und affenähnliche Gerechtigkeitshüter, die das zugehörige Ritual beobachten und – bei Regelübertretung – den Scrunt (Wolf) bestrafen. Nun folgt der Film einer recht eigenwilligen Logik. Je nach Bedarf verändert oder erweitert sich das komplexe Regelwerk des asiatischen Märchens und vermischen sich mit Rollenspielelementen europäisch-mittelalterlichen Einschlags (Heiler, Gilde, Wächter usw.). Das Ganze spielt sich im amerikanischen Setting ab und so haben wir eine süß-saure Mischung. Die Charaktere erinnern etwas an Stephen King, es hat also jeder seinen ganz persönlichen Schaden. Wir begegnen einem Mann, der nur eine Körperhälfte trainiert, einem Kritiker, der sogar den tatsächlichen Film, in dem er spielt, kritisiert, einer klischeehaften Mutter-Tochter-Beziehung, einer geschwätzigen Frau, einem gescheiterten Schriftsteller und so weiter und so weiter. Letztere Rolle hat sich Shyamalan selbst auferlegt und es ist auch mit Abstand die schlechteste schauspielerische Leistung im Film, zumal die Analogie zu seiner realen Person und zu seinem Werk etwas zu aufdringlich ist. Paul Giamatti spielt hervorragend, ebenso Bryce Dallas Howard, die bereits in „The Village“ zum Zuge kam und nun eine perfekte, blass-ätherische Nymphe spielt. Allerdings können die guten schauspielerischen Leistungen nicht übers mangelhafte Drehbuch hinwegtäuschen. Ein seltsamer Spannungsbogen mit Dreifachhöhepunkt, aberwitzige Entwicklungen der Charaktere und teilweise unnatürliche Dialoge vermiesen die doch poetisch erzählten Geschichte. Es ist erstaunlich, wie schnell alle Bewohner an das Wasserwesen und deren Geschichte glauben. Sie kooperieren augenblicklich und fügen sich in eine Rolle, die jeden von uns erst einmal die Falten in die Stirn getrieben hätte. Dabei geht die Story obskure und umständliche Wege; zu oft stehen auch die Botschaften des Regisseurs im Vordergrund und werden nicht mit der Geschichte gezeigt, sondern in Dialogen zu offensichtlich thematisiert. Die Moral der Geschicht? Davon gibt es viele, vielleicht sogar zu viele, sodass der Zuschauer mit einem Fragezeichen über dem Kopf den Abspann sieht.
Dennoch: Shyamalans Talent bleibt nicht verborgen. Die stummen Bilder, die Kameraperspektiven, die stimmungsvolle, subtile musikalische Untermalung – es ist ein typischer Stil, der – soviel kann gesagt werden – für Shyamalan steht und seine Filme ausmacht. Es ist ein erfrischender Erzählstil fernab amerikanischer Dramatik und Bombasteffekten. Tatsächlich ist der Film somit etwas Besonderes und kann daher am Ende doch allen Phantastik-Fans empfohlen werden. Man kann dem Film einiges absprechen, aber eines auf keinen Fall: den Mut zur Innovation.

Es gibt keine adäquate Bewertung für diesen Film. Nicht einmal ich selbst kann sagen, ob er mir gefallen hat oder ob ich enttäuscht bin. Es ist auf jeden Fall ein sehr origineller Film und hat in dieser Hinsicht Daseinsberechtigung in einer DVD-Sammlung, aber es bleibt der Eindruck, dass Shyamalan über das Ziel hinausschießt und uns ein neues, innovatives, aber irgendwie seltsames Gericht auftischt.

R. M. Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Januar 2013 von in Aktuelles, FILM_dose und getaggt mit , , .

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