Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

The Happening: Die seltsamen Wege des Shyamalan

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Nachdem Shyamalan zunächst die Kinogänger in Fans und Hasser teilte, trennte er anschließend auch noch die Fangemeinde in zwei Lager. Das eine Lager behauptet, das Wunderkind durchlebe eine schwache Phase, das andere Lager bewundert die ungewöhnlichen Wege, die er geht. Wie verhält es sich nun bei „The Happening„?

Es handelt sich um eine Mischung aus Ökothriller und Katastrophenfilm. Zu ersterem fehlt es aber am Spannungsbogen und zu letzterem fehlt es an entsprechenden Special Effects. So ist „The Happening“ nicht Fisch noch Fleisch, es ist für Shyamalan typisch, die Konventionen üblicher Genre zu sprengen. Kann das gut gehen?
In der ersten Hälfte des Films entwickelt sich die Katastrophe in ausdrucksstarken Bildern und mit beängstigender Ruhe. Das ist ein stilistisches Novum: die Katastrophe findet nicht brüllend laut statt, die Blätter rascheln, der Wind weht und alles geht zu Grunde. Ein poetisches Bild der Zerstörung, hierfür ist der Mann zu loben. Shyamalan kommmt wie üblich sehr still und persönlich mit Szenarios, die andere Regisseure und Autoren mit Explosionen gefüllt hätten. Hin und wieder fühlt man sich allerdings an Stephen King erinnert, wenn die Brutalität doch überhand nimmt. Es ist nicht besonders logisch, wenn Menschen, die sich lediglich umbringen wollen, dies auf umständlichste Art und Weise tun.
Besonders in der zweiten Hälfte dringen die These und Bio-Botschaft des Films leider zu oft in den Vordergrund – das Sendungsbewusstsein ist in vielen Dialogen so stark spürbar, dass es an einer Predigt grenzt. Hier hat Shyamalan schon subtiler gearbeitet – in Signs wurde die Botschaft in der Handlung gezeigt und nicht ständig in Dialogen thematisiert. Dennoch: Regiearbeit und Kamera sind nach wie vor außergewöhnlich gut.
Die Schauspielarbeit ist ordentlich. Besonders Zooey Deschannel füllt ihre Rolle mit Leben und Eigensinn; sie möchte man häufiger sehen. Was jedoch Mark Wahlberg in diesem Film schauspielert, ist keine Hauptrolle wert. Die durchgängige Betroffenheitsmimik mit Achselzucken bringt mir die brenzlige Situation nicht besonders nahe; es erinnerte eher unangenehm an Elijah Woods Frodo-Darstellung. Überhaupt empfand ich diese Schauspielleistung Wahlbergs als seine bisher schlechteste, denn dass er es durchaus besser kann („The Departed„), hat man schon oft sehen können.

Was vom Film zurückbleibt ist der schale Geschmack des manchenteils verschenkten Potenzials. Sowohl Filmstoff als auch Regisseur hätten mehr leisten können. So aber bekommen wir dennoch einen ordentlichen, stellenweise sehr poetischen und innovativen Katastrophenfilm zu sehen.

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Februar 2013 von in Aktuelles, FILM_dose und getaggt mit , , .

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