Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Russische Fantasy mit Licht und viel Schatten

RTL 2 gönnt uns mittlerweile neben einer ganzen Reihe von fragwürdigen Formaten auch lange Abende und Nächte voller ordentlicher Filme des Phantastik-Genres. Kürzlich stand nun ein hierzulande recht unbekannter Film an: Wolfhound. Nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Artikel gibt es dazu und schon möchte man meinen, es handele sich um einen weiteren uninspirierten Herr-der-Ringe-Abklatsch mit schlimmen Schauspielern, schlimmer Optik, schlimmer Musik und noch schlimmerer Story. Ich muss zugeben, dass meine Erwartungen auch in diese Richtung zielten. Zumal es sich um eine russische Produktion handelt – ein Land, das eher für gute Märchen und gute Science-Fiction als für gute Fantasy bekannt ist.  Und so geschieht, was immer geschieht, wenn man vor Beginn des Films die Messlatte niedrig legt: man ist positiv überrascht!

Wolfhound (2007 film)

Tatsächlich mutet der Plot zunächst simpel an: eines Tages verliert der Junge Wolfhound seine ganze Familie an einen Schergen namens Menschenfresser. Er wird verschleppt und versklavt, kann sich aber befreien und schwört was? Na? Rache natürlich! Er gelangt in eine Stadt, die vom dunklen Magier Zhadoba bedroht wird. Der König will dieses Problem lösen, indem er Hochzeitspolitik betreibt und seine Tochter einem Herrführer verspricht, der fortan die Stadt beschützen soll. Die Tochter erwählt Wolfhound zu ihrem Leibwächter auf der Reise zu besagtem Herrführer. So kommt die Story ins Rollen und natürlich trifft Wolfhound auf seinen einstigen Feind sowie dem dunklen Magier höchstpersönlich.

Der Film zeigte sich mir als solides Fantasy-Werk, das aus einem nicht sooo übermäßigen Budget eine Menge herausholt. Die Darsteller agieren recht glaubhaft, die Dialoge halten sich im Bereich des Nicht-Peinlichen und auch der Plot ist zwar mit keiner feinen Nadel, aber spannend gestrickt. Es sind auch einige wirklich hübsche Ideen zu vermerken. Da wäre die putzige Fledermaus, die der Protagonist rettet und die ihn bis zum Schluss begleitet. Auch der Kampf gegen die Nebelkrieger war innovativ und optisch sauber umgesetzt. Überdies glänzt der Film mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen und mancher reizvollen Kamerafahrt durch die Szenerie. Es sind diese ruhigen Momente, die in einem sonst gewöhnlichen Film etwas poetischen Zauber erzeugen. Doch dann wird der Film immer wieder in übermäßig vielen und meistenteils sinnfreien Action-Einlagen unterbrochen, ja geradezu ertränkt. Apropos „ertränkt“: zum Ende wird der Film noch dazu in Schmalz ertränkt, inklusive eines echten Deus ex machina, also einer künstlich herbeigeführten Lösung, die den Helden plötzlich wie He-Man erstrahlen lässt. Gib mir die Kraft und so weiter. Das war nicht nötig und zeigt, dass die eigentliche Schwäche des Films nicht in der technischen, sondern der schriftstellerischen Leistung liegt.

Licht und Schatten. Echten Fantasy-Fans kann ich den Film empfehlen und sei es nur, um eine Erfahrung reicher zu sein. Allen anderen wird der Film keine große Freude machen.

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. Februar 2013 von in Aktuelles, FILM_dose und getaggt mit , .

Top Beiträge & Seiten

Wenn du unsere Projekte mitverfolgen willst, kannst du per Mail von uns benachrichtigt werden.

Schließe dich 1.111 Followern an

%d Bloggern gefällt das: