Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Toskana und Umbrien – eine italienische Reise (5. Teil)

Fünfter Tag (Freitag): S. Francesco

Abschied von Perugia, Fahrt nach Assisi. Ich beschloss, in der größten Mittagshitze den reichlich zwei Kilometer langen Weg vom Bahnhof zum Ostello della pace zu laufen. Dieser Weg bietet einen fantastischen Blick auf Assisi, das sich auf einem Berg erhebt und seine Ursprünglichkeit weitestgehend bewahrt hat, weshalb es auch als Weltkulturerbe geschützt ist. (Anders als Dresden, wo nicht die Stadt allein, sondern das ganze Elbtal den Titel trug.) Rechts und links von der Straße erst Felder, dann Olivenhaine. Ich erkundete die Stadt: zunächst die Basilica di S. Francesco mit ihren zahlreichen Kappellen und der Grabkammer des Franz von Assisi, dann die nicht minder schöne Basilica di S. Chiara und schließlich die Festungsanlage mit der Burg auf dem Rocca Maggiore. Von dort aus wird der Blick auf die sich darunter erstreckende Stadt und die naturbelassene Landschaft Umbriens freigegeben.

Gemeinsames Abendessen mit den Gästen des Ostello: eine Gruppe älterer Herrschaften aus Frankreich, eine kleinere Gruppe italienischer Schülerinnen in Begleitung einer Nonne und ein einzelner Mann aus Como, der seit fünf Jahren regelmäßig für eine Woche nach Assisi kommt, weil er sonst nirgends die Atmosphäre findet, die dieser Ort ausstrahlt. Zu uns, ich saß mit ihm allein am Tisch, gesellte sich noch Giovanna, eine Klarinettistin – hier gibt es zur Zeit ein Musikfestival mit Künstlern aus den USA, aus Spanien und Italien –, schließlich Angela Maria Seracchioli, die Autorin eines sehr empfehlenswerten Buches über den Franziskusweg, mit der ich mich eingehend unterhielt, sozusagen von Autor zu Autor. Nach dem sehr einfachen, aber sättigenden Abendessen, bei dem unser „Singletisch“ der einzige war, wo wirklich angeregt diskutiert wurde, ging ich noch einmal in die Stadt.

Ausgelassene Stimmung auf der Piazza del comune: singende Pfadfinder, sich mit Eis und Pizza vollstopfende Amerikaner – an der immer etwas geschmacklosen Kleidung, der lauten Art und dem markanten Slang immer gut auszumachen – und sich als Touristenführer anbietende Mönche. Neben den Touristen gibt es hier hauptsächlich Heilige (zumindest solche, die meinen, dass sie es sind) und dann soll es noch die wenigen romantischen Genießer geben, die aber unscheinbar und vielleicht deshalb nur selten zu sehen sind. Der Blick zumindest von der Piazza S. Chiara auf das Lichtermeer des Tals war ein Genuss. Rückkehr in die ruhige Landhausatmosphäre des Ostello della pace.

Hagen Schäfer

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

Ein Kommentar zu “Toskana und Umbrien – eine italienische Reise (5. Teil)

  1. h0ffnung
    10. August 2013

    Sehr interessant Hagen, da knüpfst du jetzt schon internationale Kontakte🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. August 2013 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , , .

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