Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Toskana und Umbrien – eine italienische Reise (7. Teil)

Siebenter Tag (Sonntag): Lebendiges Mittelalter

Nach einem ausgiebigen Frühstück wechselte ich die Unterkunft und bin jetzt im Jammin Party Hostel. Um an den Strand zu gehen, erschien es mir mittags zu heiß und so entschied ich, wie ursprünglich vorgesehen, nach San Marino zu fahren. Dieser Stadtstaat, mittelalterlich geprägt und von einer Burganlage auf den Berggipfeln gekrönt, wird liebevoll vermarktet. Die Bewohner, in traditionellen Gewändern, versuchen die Geschichte ihrer Stadt nicht nur optisch, sondern auch durch schauspielerische und musikalische Einlagen lebendig werden zu lassen. Über offenem Feuer zubereitete Speisen und an zahlreichen Ständen feilgebotene Getränke vermitteln einen mehr oder minder authentischen Eindruck einer mittelalterlichen Stadt.

Spektakulärer Blick, wie sich die Burgen kühn auf den steilen Felsen erheben und über der Stadt schweben; zusammen mit der in ihrer Ursprünglichkeit weitgehend erhaltenen Landschaft bilden sie einen wohltuenden Ausgleich zum Partyleben Riminis.

Verwundert war ich, dass die bereits vor Jahren publik gewordene Vermarktung von Führerfiguren anhält. So gibt es hier metallene Grappa-Flachmänner und dazu passende Feuerzeuge mit Bildern von Mussolini, Hitler, Tito, Stalin und Che, schließlich Weinflaschen mit Aufschriften wie „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ oder „Mein Kampf“ entsprechenden Hitler-Bildern. So wird die jahrzehntelange Aufklärungsarbeit mit Füßen getreten! – Besonders günstig ist hier Justerini und Brooks Blended Scotch Whisky, der als Modegetränk in nahezu jedem Giallo-Film getrunken wurde, wohl nicht nur wegen seines gelben Etiketts. Apropos Film: Ich bedauerte sehr, gestern ein Konzert von Nicola Piovani verpasst zu haben, der eigene Werke aufführte, vor allem Filmmusik.

Zurück in Rimini machte ich mich auf den Weg zum Strand. Das Meer ist herrlich warm und bei der abendlich untergehenden Sonne besonders schön. Nachts noch einmal die Promenade entlang, die trotz leichtbekleideter Tänzerinnen im Coconuts nicht so viel bot wie am Abend zuvor. Party ist hier zwar allabendlich, aber die besten Tage sind nun eben einmal Freitag und Samstag (das ist wohl überall gleich).

Hagen Schäfer

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. August 2013 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , , .

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