Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Toskana und Umbrien – eine italienische Reise (11. & letzter Teil)

Elfter Tag (Donnerstag): Schiefe Türme

In aller Frühe brach ich auf, um mit dem Zug quer durch die wundervolle Landschaft der Toskana nach Pisa zu fahren, wo ich 12 Uhr mittags anlangte. Die Innenstadt war schnell erkundet, aber ich ließ mir Zeit, bevor ich zur eigentlichen Attraktion vordrang. Das ganze Ensemble um den Dom ist interessant, aber nahezu die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt und eigentlich nur deshalb so anziehend, weil da nun einmal ein schiefer Turm steht, dessen Spitze sich im Verhältnis zum Erdboden um 3,92 m neigt. Dabei gibt es viel schiefere Türme, beispielsweise den Kirchturm von Bad Frankenhausen, der mit 56 m Höhe nicht nur höher als der schiefe Turm von Pisa ist, sondern mit 4,60 m auch eine deutlich größere Neigung hat. Das Problem ist nur, dass Pisa eben bekannter ist als Bad Frankenhausen. In der Stadt Riesa gab es ja sogar schon einmal das Projekt, einen Turm absichtlich schief zu bauen, als schiefen Turm von Riesa, was aber nicht verwirklicht wurde. Nur um des Turmes willen nach Pisa zu fahren, lohnt sich nicht. Immerhin ist es möglich, den Turm zu besteigen, für schlappe 18 EUR. Sollte er dann auch noch umfallen, war es das Geld sicherlich wert. Selbst Goethe mokierte über einen schiefen Turm, aber nicht den von Pisa, sondern den von Bologna, dass er absichtlich so hoch und schief gebaut worden sei, um den Blick auf sich zu lenken, indes die Statik nichts zu wünschen übrig lasse.

Abends noch einmal zum Dom, dann, nach Eintritt der Dämmerung, durch die Innenstadt mit den vielen kleinen Restaurants und Bars, ähnliches Bild wie am gestrigen Tag. Abschied von Pisa und Italien, morgen wird es mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland gehen. Eines steht fest: Es wird nicht die letzte italienische Reise gewesen sein.

Hagen Schäfer

„Man mag so alt, so gelehrt, so weise und so geschmackvoll seyn, als man will, eine Reise in jenes göttliche Land giebt immer noch dem Geist ein neues Gepräge, das ihn empfiehlt. Wer Italien sehen kann, und siehts nicht, dem ists Sünde.“ (Georg Christoph Lichtenberg 1785)

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

3 Kommentare zu “Toskana und Umbrien – eine italienische Reise (11. & letzter Teil)

  1. R. M. Beyer
    20. August 2013

    Schönes Abschlusskapitel deines – in dieser Form – ersten Reisetagebuchs. Die Idee war wunderbar und ist auch lesenswert umgesetzt – immer wieder mit Querverweisen zu literarischen, filmischen, auditiven oder anderweitig künstlerischen Bezügen. Ein Lob an den Autor, Hagen!

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  2. h0ffnung
    21. August 2013

    Ich fands auch sehr schön – zum einen zu erfahren, wo du dich so rumtreibst und zum anderen, was dir bei deinen Abenteuern so durch den Kopf schwirrt. Beim nächsten Ausflug bin ich daher sehr gern wieder dabei.

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  3. Manuel
    28. August 2013

    Hagen, schön, dass du deine Reise genossen hast, auch ohne mich.🙂 Aber die nächsten Reisen gibt es bei mir erst mit einem etwas dickeren Geldbeutel.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. August 2013 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , , .

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