Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Rezension: Die Walfänger

Da wandelt wer in den Fußstapfen von Herman Melville – zumindest lässt der Titel solches erwarten. Und sollte jemand einen knarzig-knurrigen Kapitän Ahab erwarten, dann wird er nicht enttäuscht: Felix Würgler, der hier einen überzeugenden Walfang-Kapitän verkörpert, würde man gern in einer Moby-Dick-Vertonung hören.

Frontcover

Aber bleiben wir am Thema: „Die Walfänger“ ist ein Kinderhörspiel und geht somit nicht über das kindlich erträgliche hinaus. Die Protagonisten setzen sich aus einer Walfamilie zusammen: Mutter Wahra (Dorle Hoffmann), Tochter Wenda (Jamie Leaves) und Vater Walter (Björn Knorf), wobei letzterer den Spannungspunkt setzt, als er gleich zu Anfang in die Schusslinie der besagten Walfänger gerät. Mit einigen Tricks und Kniffen – und der Hilfe von Möwe Sando (Tim Gössler) und dem Tintenfisch/Krake Tarena (Jessica von Haeseler) machen die Meeresbewohner Jagd auf den Walfang-Kutter, um Wal-Vater Walter zu befreien.

Der Plot ist kurz und knackig umgesetzt. Ich persönlich hätte hier gern noch die ein oder andere Wendung mehr gehört; die Handlung kommt dadurch etwas zu rasch zum Höhepunkt. Die Spiellänge beträgt reichlich 10 Minuten, was letztlich auch darauf zurückzuführen ist, dass das Skript aus einem Kurzhörspiel-Wettbewerb hervorging. Frederic Jacob, als Autor, Regisseur, Ton-Produzent UND Cover-Artist, hatte alle Zügel selbst in die Hand genommen, um sein Hörwerk zu realisieren. Und was soll man sagen: das Debüt ist durchaus gelungen. Es ist immer schwer, ein Kinderhörspiel als Erwachsener einzuschätzen, doch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die kurzweilige Erzählstruktur und die sympathischen Figuren den Kleinen zu gefallen wissen. Besonders Erzähler Werner Wilkening zaubert hier eine warme Kinderstuben-Atmosphäre. Der Schnitt tut sein Übriges: auch wenn hier und da noch etwas Feinschliff möglich wäre, bspw. bei Übersteuerung oder EQ-Anpassung, ist er alles in allem auf einem hohen Niveau zu sehen. Es blubbert, es krächzt, es knarzt – die Kulisse ist stets plastisch. Die Musik hält sich im Hintergrund, ist aber auch passend eingesetzt. Das Cover hat Frederic Jacob mit einer Handzeichnung kindlich gehalten – der orangefarbene Titel, insbesondere die Schriftart trübt diesen natürliche Eindruck etwas. Die Zeichnung jedenfalls gefiel mir sehr gut! Über die Sprecher braucht man nicht viele Worte verlieren: sie agieren durch die Bank glaubhaft. Mir sind dabei v.a. Jamie Leaves („Das ist ja schrecklich!!!“), Tim Gössler als Möwe und Felix Würgler als Kapitän in besonderer Erinnerung geblieben. Gut, Werner Wilkening ist auch wieder herausragend, aber wie gesagt: das gesamte Ensemble passt.

„Die Walfänger“ von Frederic Jacob ist ein unterhaltsames Kinderhörspiel, das die Zielgruppe mit Sicherheit überzeugt. Mich hat es auch überzeugt und somit sage ich, lieber Frederic: gerne wieder!

R. M. Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. Juni 2014 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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