Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Von Katalonien nach Apulien ‒ Ein Reisebericht (2. Teil)

Zweiter Tag (Freitag): Barri Gotic

Die Altstadt von Barcelona, die im Wesentlichen das Viertel Barri Gotic umfasst, stand heute auf dem Programm. Ausgehend von der Kathedrale ging es durch die vielen engen Gassen der recht gut erhaltenen mittelalterlichen Baustruktur. Dazwischen erheben sich auch immer wieder Gebäude mit klassizistischer Fassade. Oftmals ist dort das Alte aber nur Schein. Besonders deutlich lässt sich das beobachten, wenn Gebäude kernsaniert werden. Der Blick fällt dann auf eine Fassade, hinter der sich eine Baugrube auftut, die den Grundstein für ein komplett neues Haus bildet. Historisch ist dann nur noch die äußere Hülle.

Mein Streifzug durch Barri Gotic führte mich unversehens auf den Passeig de Colom, eine der vielspurigen palmengesäumten Chauseen, die direkt an das Hafenviertel grenzt. Die Touristenmeile La Rambla suchte ich nach Möglichkeit zu vermeiden und wich in die benachbarten Gassen aus. Die Markthalle, eine Attraktion, die sich niemand entgehen lassen sollte, besuchte ich dann aber. Interessant und ungewohnt, wie hier Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Obst und Gemüse präsentiert werden. Krebse konnten teils noch lebend erworben werden. Mit einem orientalischen Basar ist das zwar noch lange nicht zu vergleichen; gleichwohl bleibt zu fragen, ob die Hygienestandards in jedem Fall eingehalten werden können, wenn der Fisch nur mit einfachem Eis gekühlt werden kann.

Mercat de Sant Josep

Mercat de Sant Josep

Auf dem Weg zum Strand ließ ich die zahlreichen Restaurants zunächst links liegen, wanderte die Promenade entlang, an deren Ende, auf der Plaça de la Rosa dels Vents, sich das W Barcelona, ein Luxushotel in Segelform erhebt, von dem aus ich den fantastischen Blick auf den Strand und die sich dahinter erhebende Stadt genoss. In unmittelbarer Nähe zum Yachthafen spielte eine Musikertruppe unter der Leitung eines kubanischen Sängers eine Mischung aus Salsa und Bossa Nova.

W Barcelona, Plaça de la Rosa dels Vents

W Barcelona, Plaça de la Rosa dels Vents

Anschließend bestellte ich mir in einem der vielen Restaurants Tapas. Zunächst stellte es sich als Schwierigkeit heraus, Tapas ohne gebratene, gebackene, frittierte oder gekochte Meerestiere zu erhalten. Die Variation, die ich dann erhielt, war mit Ausnahme des gebackenen Gemüses geschmacklich recht einförmig und insgesamt eine Enttäuschung.

Den Rest des Abends wanderte ich durch das Viertel La Ribera. Auf einer Bank unweit des Palau de la música Catalana schrieb ich Tagebuch. Ein junger Bursche sah mir dabei fasziniert zu. Wahrscheinlich hatte er noch nie gesehen, wie jemand mit Federhalter und Notizbuch seine Gedanken festhält.

Die Nacht war gegen vier Uhr vorbei als Lucien, Sebastien und noch ein Dritter in das gemeinsame Zimmer des Hostels stürmten und, von ihrem Drogentrip noch nicht wieder runtergekommen, sich darüber amüsierten, dass der Dritte, ein Schwarzer, von einem Junky als ,pédé‘ angesehen worden war. Keine Ahnung, was daran so komisch war. Jedenfalls war ihrem Kichern kein Einhalt zu gebieten.

Hagen Schäfer

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. August 2014 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , .

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