Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Von Katalonien nach Apulien ‒ Ein Reisebericht (9. Teil)

Neunter Tag (Freitag): Festa di Ferragosto

Als ich morgens erwachte, traute ich meinen Augen kaum: es regnete in Strömen und das Meer lag unter einer dunstigen Wolkenwand. Erst gegen 11 Uhr ließ der Regen nach. Mit dem Bus fuhr ich zur Stazione FS und von dort über Vendig in das 175 Kilometer entfernte Padua. Hier zeigte sich das Wetter freundlicher, war aber immer noch verhältnismäßig kühl.

Schnell war die Innenstadt mit dem Dom, dem Rathaus und der riesigen Markthalle erkundet. Vom Erscheinungsbild erinnert Padua durch seine Arkaden an Bologna. Aufgrund eines katholischen Feiertages waren leider fast alle Geschäfte geschlossen. Dafür waren die Bars, Restaurants und Cafés auf der Piazza dei signori und entlang der Via Roma/Via Umberto I. umso besser besucht. In einer Pizzeria auf der Via San Gregorio Barbarigo holte ich mir eine Pizza.

Anschließend ging ich zum Prato della Valle, wo anlässlich des Feiertages ein großes Feuerwerk stattfinden sollte. Der Countdown auf einer Bühne kündigte den Beginn einer Show an, die viele Überraschungen bereithielt. Der Widerspruch zu dem, was gemeinhin unter einem katholischen Feiertag verstanden wird, und dem, was auf der Bühne dargeboten wurde, konnte kaum größer sein: Das Spektakel begann nämlich mit einer Castingshow und der anschließenden Wahl der ‚Miss Mondo Italia‘. Fünfzehn junge Frauen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren zeigten sich in blinkenden Abendkleidern auf dem Laufsteg. Ein wunderschöner Anblick! In der zweiten Runde präsentierten sie sich Publikum und Jury dann nur noch im Bikini. DJ Andrea Rossini heizte allen mit seinem Electro- und Housemix ein. Der Klang und die Bässe der Anlage waren von phänomenal guter Qualität und auch die Lautstärke ließ den Eindruck entstehen, als befände man sich direkt auf dem Dancefloor. Nachdem die Siegerin der Miss-Wahl feststand und sich zusammen mit ihren Konkurrentinnen noch einmal auf der Bühne verabschiedet hatte, folgten die Auftritte zahlreicher italienischer Popstars, die hierzulande leider weitgehend unbekannt sind. Ein fünfköpfiges Moderatorenteam führte durch die Show und warf in regelmäßigen Abständen kleinere Präsente in die aufgestachelte Menschenmenge.

Prato della Valle

Den krönenden Abschluss des Xenia spettacoli bildete ein zwanzigminütiges Feuerwerk begleitet von Musik- und Lichteffekten, was umso gewaltiger wirkte, als der riesige Prato della Valle in seinem vollen Ausmaß genutzt wurde, wodurch ganz besondere Perspektiveneffekte entstanden. Nach diesem pyrotechnischen Höhepunkt des dreieinhalbstündigen Abends sorgte eine Tanz- und Akrobatikgruppe für den Abgesang. Ein wundervoller Abend! Besonders der Mix von Andrea Rossini und das Feuerwerk werden mir in Erinnerung bleiben.

Hagen Schäfer

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. September 2014 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , .

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