Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Von Katalonien nach Apulien ‒ Ein Reisebericht (10. Teil)

Zehnter Tag (Samstag): San Marco

Nachts hatte es stark abgekühlt. Der Tag begann mit – Regen. Zunächst wanderte ich entlang der Arkaden zur Markthalle. Trotz des Wetters war mein Entschluss gefasst: Ich fuhr nach Venedig. Allerdings gab ich meinen ursprünglichen Plan, den Lido entlangzuwandern auf und wandte mich stattdessen teils bekannten, teils neunen Zielen zu. Mit Baguette, Pecorino romano und frischen Tomaten hatte ich mich bereits in Padua versorgt. Auf einer Bank an der Riva dei Sette Martiri unweit des Stadtparks mit Blick auf den ein- und ausfahrenden Vaporetto und die Fährschiffe, genoss ich nicht nur den Imbiss, sondern auch den fantastischen Blick.

Piazza San Marco

Piazza San Marco

Der Markusplatz war diesmal nicht überflutet – als ich 2012 in Venedig war, stand er größtenteils unter Wasser –; lediglich unmittelbar vor und im Dom hatten sich Pfützen gebildet. Die Goldverzierungen gepaart mit der Düsternis des Kirchenschiffs verliehen San Marco eine einmalige Atmosphäre. Einen bleibenden Eindruck hinterließ auch die Besichtigung des Opernhauses Teatro La Fenice. Leider wurde heute keine Vorstellung gegeben.

Dass Venedig teuer ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Dennoch war ich überrascht, wie sie das Preisniveau auf dem Markusplatz entwickelt hat. Das beste Beispiel lieferte das Café Florian. Die Einrichtung folgt ganz im Stil des Historismus im ausgehenden 19. Jahrhundert. Kellner im Livree, stilvollendet auch die Arrangements der Speisen auf den Tellern. So kostet der englische 5-Uhr-Tee mit Shortbread nur 33 Euro, mit einem Glas Champagner 55 Euro.

Gondolieri

Gondolieri

Nachdem ich den halben Tag nahezu ununterbrochen gelaufen war, schlief ich vor Erschöpfung im Zug nach Padua ein und hätte den Zielbahnhof fast verpasst. Im Hostel lernte ich den Medizinstudenten Stephen aus Liverpool kennen. Gespräch über das Unabhängigkeitsreferendum der Schotten. Er glaubt und hofft, dass alles so bleibt, wie es ist. Offensichtlich wäre die Abspaltung Schottlands für das United Kingdom ein innenpolitisches Desaster, nur dass sich das in England niemand so recht eingestehen will. Die Frage ist, ob Schottland dadurch letztlich nicht mehr verlieren würde als die politische Unabhängigkeit wert ist.

Canal Grande

Canal Grande

Die Nacht war schrecklich; ich fror, hatte mit einer beginnenden Erkältung zu kämpfen und schlief deshalb sehr unruhig.

Hagen Schäfer

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. September 2014 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , .

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