Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Von Katalonien nach Apulien ‒ Ein Reisebericht (13. Teil)

Dreizehnter Tag (Dienstag): Estate, sole, spiaggia e mare

Auf nach Rimini! Auch wenn die Partyatmosphäre wochentags kaum zur Geltung kommt, so locken der Strand und die Promenade doch allemal. Diesmal stand auf dem Programm, was ich letztes Jahr aus Zeitmangel vernachlässigen musste – die Besichtigung der Altstadt, was durchaus ein kleines Kontrastprogramm zum Strand- und Partyleben ist.

Ponte di Tiberio

Ponte di Tiberio

Den Ausgangspunkt bildete die Piazza tre Martiri. Entlang der zentralen Einkaufsmeile Corso d’Augusto, deren Geschäfte aufgrund Urlaubs größtenteils geschlossen hatten, gelangte ich zum Rathausplatz mit der Fontana della Pigna, einem Springbrunnen, hinter der sich ein überdachter Säulengang mit Sitzmöglichkeiten zur Rechten und zur Linken befindet, eine Art spätrömischer Beratungsraum im Freien. Die zwei Stadttore Porta Montanara und Arco d’Augusto sowie die Brücke am Ponte di Tiberio markieren die Grenzen der Altstadt, die auch eine Burganlage, das Castel Sismondo, aufzuweisen hat. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist der Weg zum „neuen“ Rimini mit seinen Hotels, Strandbars und der kilometerlangen Vergnügungsmeile nicht weit.

Piazza Cavour

Piazza Cavour

Kaum nachzuvollziehen, wie sich dieses Rimini im Laufe des letzten Jahrhunderts gewandelt haben muss. Der Kontrast zwischen dem heutigen Badeort und dem, was Federico Fellini 1973 in „Amarcord“ als pittoresken Tagtraum und idyllische Erinnerung aus Kindheitstagen auf die Kinoleinwand zauberte, könnte kaum größer sein. Wie Fellinis skurril-groteske Figuren ein gedachtes Rimini als Schauplatz eines provinziellen Welttheaters lebendig werden lassen und zugleich als Ästhetisierung des Hässlichen ein Zerrbild der italienischen Verhältnisse darstellten, ist schon einzigartig. Bezeichnenderweise drehte Fellini seinen Film nicht am Originalschauplatz, sondern ließ die Promenade seines Traum-Rimini in den Studios von Cinecittà nachbauen.

Vicolo Pescheria - Ein Beratumgsraum im Freien

Vicolo Pescheria – Ein Beratumgsraum im Freien

Ich übernachtete wie im letzten Jahr im Jammin Party Hostel und machte dort Bekanntschaft mit zwei Polen: Tomasz und Slav. Beide verstanden aber nur schlecht Englisch, so dass die Unterhaltung schnell ins Stocken kam. Spätestens 23 Uhr waren beide so betrunken, dass sie wie tot in ihren Betten lagen. Kurz zuvor war mir Tomasz schwankend noch mit den Worten „He’s my german friend!“ um den Hals gefallen.

Nächtlicher Spaziergang die Strandpromenade entlang. Direkt am Meer war der Wind dann etwas kühl, trotzdem aber wesentlich angenehmer als in der Nachmittagssonne, als ich schwimmend den schönen Blick vom Wasser auf Rimini genoss.

Hagen Schäfer

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. September 2014 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit , .

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