Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Die Elfen (Teil 1). Hier gibt’s Fantasy auf die Ohren.

Fantasy als Hörspiel hat stets ein und dasselbe Problem: Komplexität. Dabei ist nicht nur der schiere Umfang vieler Fantasy-Schmöker problematisch, sondern auch und vor allem die Vielzahl ungewöhnlicher Namen und Orte. Auf dem Papier lässt sich so manches besser einprägen, das am Ohr flux vorbei fliegt. Auch Bernhard Hennens „Die Elfen“ steht im Zeichen komplexer, fantastischer Welten. Kann eine solche Adaption glücken?

Tatsächlich fällt es anfangs schwer, den Verflechtungen der Geschichte zu folgen, doch das Hörspiel gibt sich alle Mühe, es mit den Personalien nicht zu übertreiben. Außerdem hielten mich die ersten Szenen allein schon wegen ihrer Intensität bei der Stange. Großes Hör-Kino, wie man es von Marco Göllner und Co gewöhnt ist. Besonders der Schlachtenauftakt der Trolle hat mich beeindruckt. Aber der Reihe nach.

Eine Krönungsfeier der Elfenkönigin Emerelle, gesprochen von Daniela Hoffmann, die ich als Jaheira aus Baldurs Gate 2 positiv in Erinnerung habe, verläuft ganz und gar nicht wie geplant. Ein Angriff der Trolle zerschlägt das Zeremoniell und verletzt die Königin schwer. Der Schwertmeister Ollowain (Bernd Rumpf) hatte mich Attentaten gerechnet, aber so etwas…! Zusammen mit der vermeintlichen Verräterin Lyndyn (Celine Fontanges), dem Kentauren Orimedes (Martin Keßler) und einigen anderen versucht der Schwertmeister die Königin in Sicherheit zu bringen. Während dessen zementiert der Troll Orgrim (Tilo Schmitz, ein geborener Radebeuler) seine Macht und Schamanin Skanga spürt mit Scharfsinn und Magie nach und nach die Elfenkönigin auf.

Der erste Teil der Elfen-Hörspielreihe fackelt nicht lange und treibt die Handlung rasch voran, sodass aufmerksames Zuhören dringend geraten ist. Die hektische Flucht, die starke Gegenspielerin Skanga und Verrat aus den eigenen Reihen halten diese Episode allzeit spannend. Die Sprecher agieren auf hohem Niveau, was bei einer kommerziellen Produktion aber erwartet werden darf. Besonders die Trolle haben es mir angetan („Aber Elfen sind nicht schlau. Wir sind schlau!“). Ansonsten eine Menge grandioser Stimmen, die man aus Hollywood-Synchros kennt: Nicolas Cage bzw. Vin Diesel, Julia Roberts, Michael Clarke Duncan, David Hasselhoff, usw.! Oliver Kalkhofe überrascht als Kobold. Er scheint nach den gelungenen Auftritten in Dorian Hunter Gefallen am Hörspiel gefunden zu haben.

Alles in allem: Skript sehr gut, Cover solide, Schnitt fantastisch, Sprecher herausragend. Wer Lust auf eine lange, intensive Fantasyreihe hat und einwandfrei produzierte Hörspiele liebt, ist hier bestens aufgehoben.

R. M. Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. März 2015 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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