Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Andalusien – Ein Reisebericht (Teil 1)

Erster Tag (Montag): Nach Madrid

Der Sommer, in den letzten Wochen fast durchgehend über 25 Grad, soll mit der bevorstehenden Reise einen Höhepunkt finden. Das Ziel heißt Spanien – Madrid und Andalusien – und ist eine der heißesten Regionen Europas. Den Einklang bot die beste Party des Sommers. Zehn ehemalige Mitschüler hatten die Idee, eine große Geburtstagsparty zu veranstalten. Der Anspruch, alles selbst zu organisieren und den Gästen das Beste zu bieten – eine einzigartige, individuelle und auch ein wenig extravagante Party, wurde in die Tat umgesetzt. Zusammen mit etwa 250 Gästen genoss ich diesen Sommerabend und die Nacht. Zwei Floors mit Electro, House, Drum & Base und Techno, zwei Bars, Hüpfburg, Lagerfeuer, Hot Dogs und Zuckerwatte waren beeindruckend. So war es am Sonntag schon längst Tag, als die Feier zu Ende ging. Nach dieser kurzen Nacht schloss ich meine Reisevorbereitungen ab.

Palacio Real

Palacio Real

Heute Morgen saß ich bereits 5:25 Uhr in der Straßenbahn und wenig später im Bus nach Berlin. Der Flug nach Madrid – ich wollte Málaga, das Tor für viele Touristen nach Andalusien, nicht zum Ausgangspunkt meiner Reise wählen und zudem mit der Hauptstadt Spanien auch ein potenzielles Reiseziel des letzten Jahres kennen lernen – verlief ohne nennenswerte Besonderheiten. Mir bot sich ein guter Blick auf bizarre Felsformationen und Gebirgsseen; meist war aber sämtliche Vegetation verdorrt und die Landschaft kahl. Vom Flughafen Madrid ging es mit der Metro zur Station Opéra an der Plaza Isabell II. Mein Quartier, das Los Amigos, befand sich unweit dieses Platzes mit Blick auf das Opernhaus (wenn das nichts heißen soll, aber leider ist auch hier die Spielzeit bereits zu Ende) und die wundervolle klassizistische Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes, wie denn die Altstadt von Madrid ohnehin reich an gut erhaltenen historischen, vor allem klassizistischen Fassaden ist.

Plaza Mayor

Plaza Mayor

Nach einer kurzen Erfrischung machte ich mich mit Baguette und Jamón curado vorbei am Teatro Real (Opernhaus) zum Jardines des Sabatini. Von dort aus genoss ich den bezaubernden Blick auf den Königspalast Palacio Real. Dieses monumentale Gebäude, dessen Bau 1764 abgeschlossen wurde, lässt an Eleganz und Extravaganz kaum etwas zu wünschen übrig. Schade nur, dass es der spanische König so gut wie nie bewohnt, es also rein repräsentative Zwecke erfüllt. Direkt neben dem Palast befindet sich die neogotische Catedral de nuestra Señora de la Almudena, die nach reichlich zweihundert Jahren Bauzeit mit ihrer gewöhnungsbedürftigen modernen Innenausstattung erst 1992 fertiggestellt wurde. Trotz allem bietet das Ensemble rund um die Plaza de Oriente mit Königspalast und Opernhaus eine ansprechende royale Atmosphäre. Weiter ging es über das Viadukt auf der Calle Bailén mit einem kurzen Abstecher in den Jardines San Francisco el Grande zum Triumphbogen Glorieta Puerta de Toledo, wo sich auch die Universität Carlos II. befindet. Durch das Viertel La Latina mit seinen vielen kleinen Cafés ging es schließlich zur Plaza Mayor, dem zentralen Platz des alten Madrid. Franco hat versucht, in der Zeit seiner Diktatur das Stadtbild Madrids zu beeinflussen. Das Resultat sind zwei Hochhäuser an der Plaza España, eines ganz im Stil der späten Stalin-Ära. Ein Schmuckstück bildet auf jeden Fall das Cervantes-Monument mit überlebensgroßen Plastiken der von ihm geschaffenen Figuren des Don Quijote und des Sancho Pansa.

Nach einem kurzen Stopp im Los Amigos und einem Cerveza tauchte ich erstmalig in das Nachtleben der Stadt ein. Ein zentraler Treffpunkt für alle Nachtschwärmer ist die Puerta del Sol, ein großer, von prunkvollen Gebäuden gesäumter Platz mit einem Reiterstandbild in der Mitte. Nun ist Huertas, das zentrale Kneipenviertel, ein wenig versnobbt, so dass ich mich entschloss, meine Tour auf Malasaña und Chueca auszudehnen. Letzteres befindet sich auf dem besten Weg, sich zum Soho von Madrid zu entwickeln. Hier gibt man sich ungemein weltoffen. Auffallend waren die vielen homosexuellen Pärchen, die Händchenhaltend unterwegs sind. Entsprechende Szenekneipen und Clubs ergänzen dieses Bild und bestätigen, dass Filme wie „Mentiras y gordas“ hier gelebte Wirklichkeit sind. Aufgrund des zeitigen Starts an diesem Morgen war vorprogrammiert, dass ich kaum über Mitternacht hinaus, wo das Nachleben in Spanien erst so richtig beginnt, unterwegs sein würde. So kehrte ich denn auch, nachdem ich mir noch eine Pizza geholt hatte, zurück in meine Unterkunft.

Cervantes-Denkmal

Cervantes-Denkmal

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. August 2015 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit .

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