Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Andalusien ‒ Ein Reisebericht (3. Teil)

Dritter Tag (Mittwoch): Parque del Buen Retiro

Madrid in zweieinhalb Tagen kennen zu lernen und alle Highlights zu sehen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Zu viel gibt es zu sehen und zu erleben, zu viel bleibt dem Fremden beim ersten Besuch in einer Metropole wie dieser verborgen, das zu wissen und zu kennen wichtig ist. Ein Reiseführer kann das nicht kompensieren. Ich auch nicht, zumal es mein Anspruch ist, primär einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, individuelle Besonderheiten zu beleuchten und von Begegnungen mit interessanten Personen zu berichten.

Monument Alfonso XII.

Monument Alfonso XII.

Meine Reisen sind nicht bis ins letzte Detail geplant. Vieles wird ad hoc entschieden und gerade darin liegt für mich der besondere Reiz. So weiß ich nie, was genau mich am nächsten Tag erwarten wird. Einen groben Plan gibt es zwar. Letztlich sind es aber Situation und Intuition, die ‒ meist unerwartet ‒ das Erzählenswerte hervorrufen. Der Plan für heute war denkbar einfach: Parque del Retiro. Dabei handelt es sich um die größte Parkanlage der Stadt, die grüne Lunge sozusagen. So wird der Parque del Retiro denn auch von den Einwohnern als Ort für vielfältige sportliche Aktivitäten, zum Lesen, Musizieren, Flanieren, Entspannen oder ein Picknick mit Freunden genutzt. Zahlreiche Attraktionen, wie der Gondelteich mit dem überlebensgroßen Monument Alfonso XII., der Palacio Velázquez mit seinen Kunstausstellungen und der Palacio de Cristal mit dem davor befindlichen Teich, Wasserfontäne und Wasserfall, locken ungemein und laden zum Verweilen ein, so dass sich kaum eine andere Möglichkeit bot, als ein Buch aufzuschlagen und zwei Stunden zu lesen. Einzig das Bedürfnis nach Wasser und etwas Essbarem trieb mich zur Fortsetzung meiner Erkundungstour.

Palacio de Cristal

Palacio de Cristal

Nachdem ich morgens bereits den zentralen Busbahnhof Estación Sur ausfindig gemacht hatte, wollte ich nun auch den Hauptbahnhof Estación Atocha kennenlernen. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Bahnhöfen ist der Zugang zum Bahnsteig nur mit einem gültigen Fahrausweis und nach vorheriger Personen- und Gepäckkontrolle ‒ vergleichbar der an Flughäfen ‒ möglich. Nach den Madrider Zugattentaten von 2004 konnten auf diese Weise zahlreiche Sicherheitsdefizite beseitigt werden. Doch diese Vorkehrungen haben ihren Preis: Zum Bahnhof eilen, schnell eine Fahrkarte kaufen und in den zur Abfahrt bereitstehenden Zug springen ‒ mein persönlicher Rekord am Hauptbahnhof Frankfurt a.M. liegt bei dreieinhalb Minuten vom Betreten des Bahnhofs bis zur Abfahrt des Zuges, Gepäck aus dem Schließfach holen und Fahrkarte kaufen einbezogen ‒ ist hier einfach nicht möglich. Darüber hinaus sind die Preise nicht gerade günstig zu nennen. Ein Linienbus kostet in der Regel die Hälfte, ist meist aber doppelt so lange unterwegs.

Wasserfall im Parque del Buen Retiro

Wasserfall im Parque del Buen Retiro

Vorbei am imperialen Hotel Ritz, das seinerzeit mit viel Pomp in Anwesenheit schillernder Persönlichkeiten des europäischen Hochadels eingeweiht worden war, ging es zur Plaza de Cibeles mit dem imposanten, schlossähnlichen Palacio der Banco España. Monumental bebaut sind sowohl der Paseo del Prado als auch die Gran Via mit dem Edificio Metrópolis, an dem aktuell eine überdimensionale Werbung des neuen Audi Q7 prangt (interessanter ist meines Erachtens der S8 plus).
Abends ging es durch die verlockende Welt der Tapasbars und Restaurants rund um die Plaza Mayor. Besonders hübsch fand ich die Schaufensterdekoration eines unscheinbaren Restaurants: Dort waren Küche, Bar und Gaststube in detailgetreuer Miniaturausführung einem Puppenhaus vergleichbar nachgestellt. Ich genoss diesen letzten Abend in Madrid, besonders den weltoffenen Geist dieser Metropole, die zur Zeit auch dreißig Jahre europäische Integration feiert.

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. August 2015 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit .

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