Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Andalusien – Ein Reisebericht (8. Teil)

Achter Tag (Montag): Desierto de Taberna

Das Gebiet um Almería, insbesondere die Wüste bei Tabernas, einer wild zerklüfteten Mondlandschaft, und das Cabo de Gata, gilt als das spanische Hollywood. Hier entstanden neben „Lawrence von Arabien“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ etwa eintausend Filme aller Genres, vor allem aber Italo-Western. Die Bauten stehen teils heute noch und können in diversen, rein kommerziell aufgezogenen Themenparks rund um Tabernas besichtigt werden. Im Wesentlichen handelt es sich um Oasys, Texas Hollywood und Fort Bravo mit dem sich anschließenden, aber sehr versteckten Western Leone. Die Sweatwater-Ranch aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist nahezu unverändert erhalten. Für mich stand von Anfang an fest, mich der Geldschneiderei dieser Kitschparks, die für Kinder allemal interessant sein mögen, nicht hinzugeben, sondern die Landschaft und damit einen kleinen Teil der Drehorte kennen zu lernen.

Tabernas

Tabernas

Leider war es nicht möglich, in Almería ein Auto zu mieten. Das sei, so die Vermietung von Europcar im Sommer immer schwer, zumal wenn keine Reservierung vorliegt. Also musste ich wohl oder übel mit dem Bus nach Tabernas fahren und dort mein Glück zu Fuß versuchen. An und für sich kein Ding der Unmöglichkeit, aber mit deutlicher Einschränkung für die Mobilität in einem riesigen, von Schnellstraßen durchkreuzten Areal. Wie sich vor Ort nämlich herausstellte, ist die Desierto de Tabernas und die sich anschließende Sierra de los Filabres durch Schotterpisten gut erschlossen – wie sonst sollte das ganze Filmequipment zu den Drehorten gebracht werden können – und mit einem geländefähigen Fahrzeug mühelos durchquerbar. Allein, es war nun einmal kein Fahrzeug zu bekommen und mit dem Fiat Panda wäre ich höchstwahrscheinlich nicht weit gekommen. Zu Fuß war es nach dem gestrigen Bergtraining auch kein Problem.

Desierto de Tabernas - Landschaft als Filmkulisse

Desierto de Tabernas – Landschaft als Filmkulisse

Vom Ortseingang Tabernas sind es nur wenige hundert Meter bis zu einer etwas versteckten, sehr schmalen Autobahnunterführung und schon befindet man sich in dieser einzigartigen Landschaft. Zwar gilt es noch, an einigen Privatgrundstücken, die der landwirtschaftlichen Nutzung dienen, vorbeizulaufen, aber nach spätestens einer halben Stunde droht kein bissiger Hund oder menschliches Wesen mehr die Wege zu kreuzen. Dann herrschen nur noch Sonne, unbeschreibliche Hitze. Endlos-staubige Wüste aus Geröll, Stein und Fels, vertrocknetes Gebüsch und Kakteen bestimmen das Bild. Ich kam mir fast wie Clint Eastwood und Eli Wallach bei ihrem Wüstenmarsch in „Zwei glorreiche Halunken“ vor. Der Blick auf die bizarren Felsformationen und Kulissen, die durch bebilderte Hinweistafeln gut erkennbar sind, ist spektakulär. Ganz in der Ferne, inmitten dieser Mondlandschaft, war auch die Sternwarte Observatorio Astronomico del Calar Alto auszumachen. In einem Seitental war das Fort Bravo zu erkennen.

Fort Bravo

Fort Bravo

Der Ort Tabernas hat außer einem verfallenen Castillo, das ich nicht mehr erklimmen wollte, und einigen wenigen Bars wenig zu bieten. Zur Siesta hat ohnehin alles geschlossen. Alles, was mit den Filmproduktionen, insbesondere die hier entstandenen Western von Sergio Leone in Verbindung steht, wird hier gnadenlos vermarktet. Selbst an der einen oder anderen Häuserfassade prangt ein Bild von Clint Eastwood. Zurück in Almeria nutzte ich die Gelegenheit, in den Abendstunden im Meer schwimmen zu gehen – eine wirklich willkommene Abkühlung. Großer Vorteil: Bis jetzt hatten alle Zimmer in den Unterkünften Klimaanlage. Ohne die wäre es schier unerträglich. Um sich nicht eine Erkältung zuzuziehen, kühlte ich mein Zimmer erst einmal behutsam auf 30 Grad und dann auf angenehme 25 Grad herab.

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. August 2015 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit .

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