Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

SuperSerien: The Strain – Dracula allein in New York

André hatte zuletzt von iZombie berichtet und damit den Grundstein für die Reihe „SuperSerien“ gesetzt. Ich werde heute auch einen Beitrag leisten, indem ich „The Strain“ vorstelle. Das englische Wort „Strain“ ist äußerst vielseitig und jede bekannte Bedeutung passt auf die von Guillermo del Toro produzierte Horrorserie: Belastung, Strapaze, Erregerstamm, Deformation, Züchtung und nicht zuletzt: psychische Anspannung.

Die Toten im Flugzeug. Quelle: cinefex.com

Es beginnt mysteriös und wie immer kommt alles Böse aus Deutschland. Ein Flieger, der in Berlin gestartet ist, landet in New York und bleibt dort ohne Lebenszeichen stehen. Das Sicherheitspersonal rätselt, die Presse unkt und die Angehörigen verlieren allmählich die Nerven. Da wären wir wieder bei der psychischen Anspannung. Der Epidemiologe Ephraim Goodweather wird mit dem Fall betraut, weil ein medizinisches Problem vermutet wird (Stichwort: Erregerstamm). Unter größer Vorsicht bahnt sich sein Team einen Weg ins Flugzeug und findet, bis auf vier Ausnahmen, nur unterkühlte Tote vor. Gestorben im Zeitrahmen weniger Sekunde. Doch das ist nicht alles: Auch ein seltsamer, antiker Schrank und mysteriöse Würmer kommen zum Vorschein. Augenscheinlich gibt es keine Erklärung für das große Sterben im Flugzeug, doch bereits in der ersten Folge ahnt der Zuschauer, dass deutlich mehr hinter dem Phänomen steckt als ein schnöder Virus. Der Sarg des „Meisters“ verlässt über Umwege den Flughafen und gibt eine der größen Bedrohung der Menschheit frei.

Prof. Abraham Setrakian. Quelle: joblo.com

Prof. Abraham Setrakian. Quelle: joblo.com

„The Strain“ bemüht einmal mehr Bram Stokers Dracula und führt die Grundstruktur dieses Gruselromans ins moderne New York. Wir erinnern uns: Auch Dracula ließ sich gebettet im Sarg in ein fremdes Land transportieren und zwar per Schiff. Auch Dracula steckte das dortige Umfeld mit Vampirismus an, baute sich eine Schar von Blutsaugern auf und gebot über die niederen Tiere. Und auch Dracula bekam es mit einem Erzfeind zu tun, der ihn letztlich besiegte: Abraham van Helsing. Bei „The Strain“ ist der Widersacher ebenfalls ein gebildeter Jude: Professor Abraham Setrakian, gespielt von David Bradley, den wir als Hausmeister Filch in Hogwarts kennen. Danach erschöpfen sich die Überschneidungen aber: Es geht um unsterbliche Vampir-Nazis, mordlüsterne Zombies und dekadente Persönlichkeiten, die schon vor ihrer Ansteckung wenig Menschlichkeit in sich trugen. Besonders Gruselnazi Eichhorst, gespielt vom tatsächlich deutsch-stämmigen Richard Sammel, brilliert. Natürlich hört und sieht man, dass eindeutig Christoph Waltz‘ Darstellung des Hans Landa Pate gestanden hat, aber Sammel kann sehr gut mit diesem übergroßen Vorbild mithalten. Hin und wieder liest man (z.B. auf Wikipedia), Robert Missler hätte hierfür synchron gesprochen. Dem widerspreche ich: Die aktuelle TV-Fassung wurde von Sammel selbst gesprochen. Ich höre Missler seit Jahren in unterschiedlichsten Rollen, aber DIESE Rolle hat er nicht gesprochen. Ein Sonderlob also für Richard Sammel. Die anderen Schauspieler sind auch nicht zu verachten, aber Bradley und Sammel stechen aus dem Ensemble heraus.

Richard Sammel alias Eichhorst. Quelle: tvfanatic.com

Richard Sammel alias Eichhorst. Quelle: tvfanatic.com

Die Produktion ist erstaunlich hochwertig. Die Effekte haben beinahe Kinoqualität und auch Drehbuch, Musik und Regie gehören zum Besten, was das Fernsehen momentan zu bieten hat. Hin und wieder riecht eine Szene nach altem Hollywood, verhält sich ein Charakter unplausibel oder gerät eine Wendung zu extrem, aber im Großen und Ganzen kann ich diese wirklich originelle Serie nur empfehlen. Sie kommt spät (Mittwoch, gegen 22 Uhr auf Pro7) und das zu recht. Nichts für schwache Nerven. Und dafür danke ich del Toro: Dass sein Vampir weder schillernder Teenie noch verführerischer Gentleman ist, sondern ein Monstrum. Zwar kommt man auch hier nicht ohne wissenschaftliche Erklärungsversuche aus, aber immerhin sorgt del Toro dafür, dass der Mythos ein Mythos bleibt.

Die Verwandlung. Quelle: tv.com

Die Verwandlung. Quelle: tv.com

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. September 2015 von in Aktuelles, FILM_dose, PROJEKT_ordner und getaggt mit , , , , , , .

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