Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Wayne McLair 2&3 – Der Revolvermann (Rezension)

Lang, lang ist’s her, da hatte ich den ersten Teil begutachtet. Nun ist es an der Zeit, mal die Teile 2 & 3 ins Visier zu nehmen. Waaaaaas? Gleich 2 Teile auf einmal? Jawohl, denn sie gehören so sehr zusammen wie Dübel und Schraube, sodass die Creditsprecherin Penny Powers  sogar glatt verweigert, die teilnehmenden Sprecher zu verlesen, solang die Handlung nicht in sich abgeschlossen ist.

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Zur Erinnerung: Es geht um den charmanten Meisterdieb McLair, der zum einen Inspektor O’Neill an der Nase herumführt und zum anderen den Verbrecherboss Slypher herausfordert. Außerdem gesellt sich der schottische Kopfgeldjäger Aidan Quinn hinzu, der ebenfalls auf auf das Phantom McLair Jagd macht. Die Handlung des ersten Teils ist absolut vorbildlich und elegant im ersten Abschnitt des Hörspiels zusammengefasst. Da gibt ein Wort das andere – wir springen von Person zu Person und werden auf diese Weise künstlerisch sehr reizvoll in die Geschichte eingeführt. Es ist – wenn ich so sagen darf – der bisher interessanteste Recap, der mir im Hörspiel untergekommen ist. Andere Hörspielreihen machen sich diese Mühe überhaupt nicht mehr (z.B. Rick Future). Wir sind also recht schnell auf Stand und tauchen in die neuen Geschehnisse ein. Es sei nicht zu viel vorweg genommen, aber die 4 Kontrahenten McLair, Slypher, Quinn und O’Neill geraten in einen äußerst spannenden Vierkampf, bei dem zu keiner Zeit so recht klar ist, wer nun eigentlich die Oberhand behält. In der damaligen Rezension des ersten Teiles hatte ich (auf hohem Niveau) gemeckert, dass mir sowohl der Verbecherboss als auch der Inspektor wie jämmerliche Dilettanten vorkommen, denen nichts gelingt. Darunter litt die Spannung, denn McLair hatte keine ernsten Gegner und war niemals in echter Gefahr. Das hat sich nun verändert: Sowohl O’Neill als auch Slypher können – neben den üblichen Rückschlägen – nun auch Erfolge vermelden und rücken McLair empfindlich auf die Pelle. Sehr schön!

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Der Plot entwickelt sich sehr spannend vorwärts und gipfelt bereits im 2. Teil in einem wahrhaftigen Showdown. Die Klangkulisse ist vielfältig, lebendig und sprüht nur so vor kleinen, feinen Einfällen. Im Hintergrund hört man lustige Gesprächsfetzen – immer wieder tauchen Mini-Anekdoten auf, die ein zweites Anhören sicherlich nötig machen und… sich lohnen! Die Dialoge selbst sind diesmal viel lebendiger gestaltet, die Handlungsträger fallen sich ins Wort, lassen Zwischenkommentare fallen, lachen, stöhnen, ächzen, kurz gesagt: Es entsteht ein wirklich natürlicher Eindruck, den ich hier mal gelobt haben will! Paul Burghardt – dieses Schweizer Taschenmesser – hat sowohl was Buch, als auch Schnitt und Regie betrifft, weiter an Qualität gewonnen. Der erste Teil war gut, aber im zweiten und dritten Teil wird die Reihe nun erwachsen und präsentiert sich fabelhaft!

Auch die Sprecher haben noch mal einen Satz nach vorn gemacht. Felix Würgler, den ich zuletzt noch wegen seiner Erzählerparts aus Wayne McLair 1 kritiserte, spricht einen entspannteren, leicht amüsierten Erzähler. Paul Burghardt hat sich in seine Rolle als McLair noch tiefer reingefuchst und ist in dieser Form eine Idealbesetzung. Auch sehr reizvoll: die hocherotische Isabelle Chevalier (Tanja Niehoff). Auch O’Neill (Roman Ewert) gehört im Verbund mit Henderson (Michael Gerdes) zu den Glanzpunkten dieser Produktion. Köstliche Dialoge! Und von Lily Riard als Caitlinn Brown kann ich auch nicht genug hören. Lediglich bei Aidan Quinn habe ich einen Einwand. Thomas Kramer spielt sehr gut, das ist nicht die Frage, die Dialoge zwischen ihm und McLair wirken sogar besonders spritzig. Aber für meine Begriffe hätte hier eine ganz andere Stimme gewählt werden müssen. Ich hatte bereits zuletzt eingeworfen, dass mir McLair, Slypher und O’Neill zu ähnlich klingen – aber Quinn bewegt sich auf exakt derselben Tonlage und so kommt man in vielen Dialogen durcheinander. Gut, dass lässt sich nun nicht mehr ändern und ist nach einer gewissen Gewöhnung auch zu verschmerzen, aber zukünftig sollte nicht noch ein Bass-Bariton das Set betreten. Bitte, lieber Paul!

Die Credits geraten für meinen Geschmack etwas zu lang, sind aber unterhaltsam gesprochen. Die Musik von Kevin McLeod passt wahnsinnig gut auf Steampunk. Besonders das stimmige Honky-Tonk-Thema sprudelt so frisch und frei aus der Box wie das gesamte Hörspiel. Aaaalso: Absolute Hörempfehlung. Die McLair-Reihe entwickelt sich prächtig und wer es bisher noch nicht wagte, sollte jetzt einsteigen!

RM Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

Ein Kommentar zu “Wayne McLair 2&3 – Der Revolvermann (Rezension)

  1. h0ffnung
    25. Januar 2016

    Gerade Teil 1 gehört und ich kann mich der Empfehlung nur anschließen. Tolle Figuren und die lebendige Szenerie, vor allem auch die Musik haben mir sehr gut gefallen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Januar 2016 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , , .

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