Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Wayne McLair 4&5 – Dreizehn schwarze Tränen (und ein paar von mir)

Es geht weiter im McLair-Universum. Nach dem turbulenten und wirklich herausragenden Teilen 2 & 3, war ich sehr gespannt, ob noch eine Steigerung möglich sein würde.

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Vorab: Alles, was ich an dieser Reihe mag: der lebendige Dialogschnitt, die mal polternde, mal schmeichelnde Musik, die vielfältigen Charaktere, die einfallsreichen Klangkulissen, die witzigen Dispute und nicht zuletzt die engagierten Sprecher – das alles ist nach wie vor gegeben, sodass wir hier wieder ein wirklich grandioses Stück zu hören bekommen. Dennoch kann ich nicht verschweigen, dass ich von den beiden neuen Teilen etwas enttäuscht war. Der Plot wird für meine Begriffe etwas verschleppt, insbesondere die erste Szene plätschert so dahin – und auch wenn dort einige witzige Bemerkungen fallen (mitsamt eines Seitenhiebs auf „Barash Tyr“), bremst der lange Dialog die Handlung aus und zog mich nicht sofort in dieses turbulent-spannende McLair-Gefühl, das mich bei den anderen Teilen ergriff. Auch andere Dialoge hätten eine Straffung gebrauchen können. Der Plot kommt somit recht langsam in Gang und bietet – zumindest aus meiner Sicht – im vierten Teil keine echten Höhepunkte. Hinzu kommt, dass Aiden Quinn allmählich zum trotteligen Hansdampf verkommt. Was ist nur aus dem einstigen Top-Kopfgeldjäger geworden?

Schön ist, dass sich McLair nun endlich in wirklich gefährliches Fahrwasser begibt, aus dem ihn keine spitze Bemerkung mehr retten kann. Mit „Die Stimme“ (Frage O’Neills: „Wie wird das gebeugt?“), wunderbar gesprochen von Jan Schroeder und Vater Solomon (Patrick Steiner) werden höchst interessante und vor allem mächtige Charaktere eingeführt. Sie unterscheiden sich stimmlich auch stark von McLair, O’Neill und Quinn, sodass dieser Kritikpunkt aus dem letzten Teil behoben wäre. Auch die Zwillinge sind eine fantastische Idee und werden von Merle Strudthoff perfekt hingezaubert. Der fünfte Teil versöhnt mich in Sachen Spannung und Plotbewegung ein bisschen. Wir enden – wie soll es anders sein – mit einem unheilsschwangeren Cliffhanger. Macht auf jeden Fall Appetit auf mehr!

Also, Freunde der Sonne! Die Teile 4 & 5 sind wirklich einmal mehr feine Steampunk-Hörspiele, wenngleich die Handlung hätte gekürzt werden können. Ich bekam zumindest den Eindruck, dass hier einige „Lieblinge“ in den Dialogen stecken, die der Autor (Paul Burghardt) nicht zu töten bereit war. Womit ich auf Stephen Kings berühmtes Zitat hinweisen möchte:

“Kill your darlings, kill your darlings, even when it breaks your egocentric little scribbler’s heart, kill your darlings.”

Soll heißen: Beim nächsten Mal Skript zwei, drei Monate liegen lassen, wieder in die Hand nehmen, Rotstift zücken, erbarmungslos streichen!

So oder so, ich freue mich auf den neuen Teil, denn die Reihe hat es mir sehr angetan. Und man kennt das ja: Mit seinen Liebsten geht man immer am strengsten ins Gericht!

RM Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

Ein Kommentar zu “Wayne McLair 4&5 – Dreizehn schwarze Tränen (und ein paar von mir)

  1. h0ffnung
    14. Februar 2016

    Mir gefallen die Folgen und die neuen „Mitspieler“ sehr gut, allerdings ist nach Teil 5 ja wirklich viel offen. Ich bin auch schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung. Vor allem der Auftritt vom Mechanisten-Boss hat mich beeindruckt und stark an Präsident Snow (Tribute von Panem) erinnert.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Januar 2016 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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