Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Dark Space 2046 Teil 2.1 – Gestapo Reloaded

Innovativ und spannend, so mein allgemeines Credo des ersten Teiles. Nun ist bereits vor einiger Zeit ein zweiter Teil der Dark-Space-Reihe veröffentlicht worden, und was soll ich sagen: innovativ und spannend!

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Mittlerweile haben sich alle Beteiligten an den Fakt gewöhnt, dass Johan Brünning nicht tot ist, sondern ein paar Jährchen übersprungen hat, um im Jahre 2046 für Wirbel zu sorgen. Seine Frau Ina weiß nun endlich wieder, was man mit der zweiten Seite des Bettes anfängt (auch wenn nun gute 20 Jahre zwischen ihnen liegen) und die Staatsermittler buddeln noch immer, was das Zeug hält. Um genau zu sein, unterbreiten sie Brünning ein Job-Angebot, das er nicht ablehnen kann, aber selbstverständlich ablehnen wird, um stattdessen bei General Ehrenberg anzuheuern. Dennoch ist die Sache damit nicht beendet. Ina trifft auf das Mädchen Maria Harkonsen, die eine wichtige Datei ihrer Mutter zu überbringen hat. Der widerspenstige Teenager gerät dabei selbst in das Fadenkreuz einflussreicher Feinde, was wiederum die Frage aufwirft: Weshalb ist diese Datei so wichtig? Diese Frage bleibt zunächst unbeantwortet, aber führt zu einem großen Knall, so viel will ich mal verraten.

Aus meiner Sicht macht der zweite Teil alles richtig. Er führt uns in das zukünftige Hamburg, inklusive seiner eutopischen Kehrseite Neu-Hamburg, und baut die Beziehung der Protagonisten und die Verwicklungen der Story weiter aus. Natürlich spielen dabei auch die Staatsermittler eine tragende Rolle. Sie werden im Hörspiel mit der Stasi verglichen, erinnern mich aber eher an die Gestapo (zumindest was das operative Eingreifen angeht). Dem Hörer wird klar: Irgendwas von globalem Ausmaß steckt hinter der Zeitreise von Brünning. Dorther zieht Dark Space 2 seine bedrohliche Spannung.

Der Cast ist noch immer einwandfrei. Diesmal gesellt sich Jamie Leaves dazu. Hab sie lange nicht mehr gehört und bin wieder mal äußerst begeistert von ihrer Performance als frotzeliger Teenager. Das hätten nur wenige erwachsene Frauen so glaubhaft spielen können. Beim letzten Mal lobte ich außerdem (noch) nicht die geniale Computerstimme Felix Würglers. Er ist wirklich ein goldener Griff und erinnert an eine gelungene Mischung aus Knight Rider und HAL 9000. Würgler schafft es, die trockene, kalte Computerseele mit hintergründigem Witz auszustatten. Ein Juwel! Und noch jemanden vergaß ich letztens zu erwähnen: den Erzähler! Marcel Ellerbrok sprang hierfür in die Bresche und macht seine Sache erstaunlich gut. Zugegeben: Seine Stimmfarbe hört man als Erzähler eher selten, wollen doch alle den typischen Bass-Bariton-David-Nathan-erklärt-uns-die-Welt-Erzähler hören. Umso mutiger, es mal mit einer höheren Männerstimme zu versuchen. Ich finde, dass einige Erzählpassagen nicht unbedingt nötig sind und manche etwas zu akademisch anmuten, etwa wenn Nebensätze immer wieder mit „welches“ statt einfach nur mit „das“ eingeleitet werden. Das ist meine persönliche Feindschaft, weil ich solche Formulierungen für rhetorisches Blendwerk wissenschaftlicher Fachliteratur halte. Abgesehen davon gehört manche erzählte Information – aus meiner Sicht – in die Dialoge. Aber das hat natürlich nichts mit Marcel Ellerbrok zu tun. Er gibt dem ganzen einen nüchternen, beinah dokumentarischen Anstrich und erinnert mich positiv an Reportagen der 60er-70er-Jahre.

Michael Piotrowski hat das begonnene Werk hervorragend fortgeführt (obwohl mich das Cover auch diesmal nicht begeistert) und die Dark-Space-Reihe auf ein neues Level gehoben. Zweite Teil sind üblicherweise problematisch, weil der Zauber des Anfangs verloren ist, aber hier haben wir es mit einer konsequenten und sauber umgesetzten Fortführung von ein und derselben Grundfrage zu tun: Was hat es mit dem Flug der Draaken auf sich? Solange diese Frage nicht endgültig geklärt ist, kann mich Piotrowski mit einem ganzen Haufen Dark-Space-Hörspiele zuschütten und ich werde ihnen sehr gerne lauschen…

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RM Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. Februar 2016 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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