Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Sizilien – Ein Reisebericht (7. Teil)

In aller Frühe brach ich auf, Frühstück gab es keins, heißes Wasser auch nicht. Im Supermarkt versorgte ich mich dann mit dem Nötigsten und nahm den Bus zur Station Taormina Giardini Naxos. Die Zugverbindung nach Syrakus (Siracusa) endet derzeit in Catania wegen Bauarbeiten an der Strecke und wird von dort mit einem Bus als Schienenersatzverkehr fortgesetzt. Die Straßen jenseits der Autobahn waren nicht die besten und die Fahrt deshalb auch nicht sonderlich bequem. In Syrakus war es sehr heiß, nachmittags zogen sogar ein paar Quellwolken auf und ferner Donner war zu hören; die paar Tropfen, die fielen, konnte man aber zählen und schon eine Stunde später war alles wie vorher, strahlende Sonne und drückende Hitze.

01 Das Ohr des Dionysos

Das Ohr des Dionysos

Ich ließ mich davon nicht abschrecken und erkundete den Parco archeologico, in dem es ein römisches und ein gut erhaltenes griechisches Theater zu sehen gibt – Spuren der einstigen Größe von Syrakus als einer der bedeutendsten Städte der Antike. Heute ist davon nicht mehr viel zu spüren; Syrakus wirkt eher wie eine zu provinzieller Größe verkommene Großstadt, was nicht negativ gemeint sein soll, sondern gerade den besonderen Charme ausmacht. Besonders interessant war das Ohr des Dionysos, eine fast ovale, nach oben spitz zulaufende Grotte, die sich etwa fünfzig Meter in den Fels hineinschlängelt und auf diese Weise eine außergewöhnliche Akustik hervorruft.

02 Brunnen der Artemis-Diana und der Nymphe Arethusa

Brunnen der Artemis-Diana und der Nymphe Arethusa

Die eigentliche Altstadt von Syrakus, Ortigia, liegt auf einer Insel und wird durch drei Brücken mit dem restlichen Teil, der weniger schönen Neustadt verbunden. Über den Corso Umberto, der Hauptstraße, gelangt man direkt zum Apollotempel, der den Beginn der Altstadt markiert, die, man mag es ob des desolaten Bauzustandes der meisten Häuser entlang der engen Gassen kaum glauben, zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Die Kirchen und die Palazzi aus der Zeit des Mittelalters und des Barock, letztere beherbergen meist Museen, sind aber aufwendig restauriert. Auf der barocken Piazza Archimede befindet sich ein wunderschöner Brunnen der Artemis-Diana und der Nymphe Arethusa. Nicht weit entfernt ist auch der Dom, ein wahrer Prunkbau des Barock, in dem gerade die letzten Vorbereitungen zu einer Hochzeit getroffen wurden. Der Bräutigam samt Familie wartete schon, es fehlten nur noch der Brautvater und die Braut. Ich wandte mich weiter zum Foro italico, wo die Yachten und Privatboote vor Anker liegen und sich in der Verlängerung, dem Lungomare Alfeo, Restaurant an Restaurant reiht.

03 Dom von Syrakus (Siracusa)

Dom von Syrakus

Eine interessante Idee, die ich so noch nirgends gesehen habe: überall in der Stadt stehen Kickertische und für nur fünfzig Cent kann man hier spielen, wovon auch rege Gebrauch gemacht wird. Leider wird auch von anderem rege Gebrauch gemacht: auf dem Corso Umberto muss es gewesen sein, dass, während ich lief, mir jemand etwas aus dem Rucksack zu stehlen versucht hatte; der Reißverschluss war offen, es fehlte aber nichts. Der Fotoapparat, das einzig Wertvolle, war glücklicherweise gut versteckt. Dass ich von der ganzen Aktion rein gar nichts gemerkt habe, brauche ich wohl nicht zu betonen.

Abends holte ich mir in der Pizzeria mit dem sinnigen Namen „Carpe diem“ in der Via del porto grande eine Margherita, die ganz so war, wie ich sie in Neapel kennengelernt hatte. Wer nach Syrakus kommt, sollte hier unbedingt einkehren.

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. September 2016 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit .

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