Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Sizilien – Ein Reisebericht (11. Teil)

Catania wurde mehrfach von ihm zerstört, der schwarze Stein vieler Mauern und Gebäude erinnert an ihn, und nähert man sich ihm, wirken die endlosen Geröllfelder mit verschütteten Häusern ehrfurchtgebietend. Die Rede ist vom Etna, dessen letzter Ausbruch erst 2001 stattfand und von dem nach wie vor Gefahr ausgeht. Das gesamte Areal des Etna ist in drei Sicherheitszonen eingeteilt. Bis zur Grenze zur letzten kommt man mühelos mit Seilbahn und Allradbus, dann aber, am Torre del Filosofo (2920 Meter), wo die dritte Zone beginnt, gibt es eine Absperrung, die man als Unbefugter nicht übertreten darf, es sei denn, man schließt sich einer zuvor gebuchten Erkundungstour mit einem erfahrenen Bergführer an.

01 Zum Greifen nah - der Hauptkrater des Etna

Zum Greifen nah: der Hauptkrater des Etna

Der Schwabe, den ich in Taormina getroffen hatte, war einfach weitergewandert und hatte so lebhaft von den aufsteigenden Gasen und der Umrundung des Hauptkraters erzählt, dass ich es ihm gleichtun wollte. Von Catania gibt es offiziell nur einen Bus zum Etna und einen zurück. Das klappte alles und auch der Weg zum Torre del Filosofo war zügig absolviert – etwa 70 Euro kostete mich das alles zusammen. In diesem Preis inbegriffen sind neun Euro für einen Bergführer, der verpflichtend ist, wenn man sich in der dritten Zone bewegen will, letztlich aber verzichtbar ist, denn an der Grenze zum Sperrgebiet war Schluss, in die dritte Zone konnte ich nicht gelangen, weil ein Durchschlüpfen unter die Absperrung nicht möglich war, denn zwei Bergführer achteten sorgsam darauf, dass man das Territorium nicht betrat. Wozu also die Führer? Wahrscheinlich, weil die auch von etwas leben wollen, mehr nicht. Leider also reine Abzocke. Die teure Fahrt mit dem Bus mit Allradantrieb und den Führer hätte ich mir also schenken können. Ich hatte sie mir nur geleistet, weil ich darauf spekulierte, den Hauptkrater sehen zu können, der nur vierhundert Meter höher liegt als der Torre del Filosofo.

02 Blick in einen Nebenkrater

Blick in einen Nebenkrater

So sah ich mich gezwungen, wenigstens die Gelegenheit zu nutzen, das Wenige, was man sehen konnte, in Augenschein zu nehmen, und das war auch sehr interessant – große Geröllfelder mit Lavagestein, Lavasand ähnlich einer schwarzen Wüste, getrocknete Lavaströme und natürlich die kleineren Nebenkrater, – aber die Enttäuschung überwog. Eine Tour zum großen Hauptkrater hätte ich vorher zusätzlich buchen müssen und die wäre innerhalb des Zeitfensters, das durch den Bus vorgegeben war, ohnehin nicht möglich gewesen. Der Schwabe hatte eben Glück, dass ihn niemand vom Betreten der Sicherheitszone abhielt. Ganz ungefährlich ist die übrigens nicht, wenn plötzlich schwefelhaltige Gase ausdringen, unvermittelt die Decke eines ausgetrockneten Lavastroms bricht oder man sich im Gewirr des Lavagerölls verläuft. Trotzdem werden die Touristen hier unnötig abgezockt. Für alle, die auf den Etna-Süd wollen: die Seilbahn genügt, der Rest kann erwandert werden; man sollte aber auf dem Hauptweg bleiben, sonst findet man beim Auf- und Abstieg keinen festen Tritt und versinkt immer wieder knöcheltief im Lavakies, was das Fortkommen erschwert.

03 LavagerФll als Lebensraum

Lavageröll als Lebensraum

Während der Busfahrt gab es dann auch noch eine Lektion in Sachen Verkehr in Sizilien. Grundsätzlich gilt, jeder fährt so, wie er am besten und schnellsten vorwärtskommt, unter Beachtung der wesentlichen Verkehrsregeln versteht sich. Insgesamt nimmt sich das sehr chaotisch an, funktioniert aber. Naja, nicht so ganz. Kaum ein Auto, das keine Schrammen hat. Und das liegt gewiss nicht nur an Parkschäden, – einen Parkplatz zu finden, ist nämlich eine Herausforderung. Ampeln werden nur beachtet, wenn es unbedingt sein muss. Viel zu oft wird an der roten Ampel nicht gehalten, sondern auf die Mitte der Kreuzung gefahren, und wenn kein anderer fährt, heißt das, dass ich fahren kann. An Fußgängerüberwegen wird nur dann gehalten, wenn der Fußgänger selbstsicher die Straße überquert und sich für den Fahrer, der nicht mehr am Fußgänger ausweichend vorbeifahren konnte, ein Anhalten nicht mehr vermeiden lässt. Darüber hinaus wird jede Gelegenheit einer von impulsiver Gestik und Mimik begleiteten Unterhaltung von Fahrzeug zu Fahrzeug genutzt und ein Mobiltelefonverbot am Steuer ist ohnehin nicht bekannt.

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. September 2016 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit .

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