Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Sizilien – Ein Reisebericht (13. Teil)

Heute Morgen machte ich mich bereits zeitig auf den Weg, um mit einem der wenigen Busse, die von Enna Viale Diaz starten, nach Piazza Armerina, das zwar nur 30 Kilometer entfernt liegt, aber eben doch nicht ganz so gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, zu gelangen. Von der zentralen Busstation in Piazza Armerina ging es mit dem städtischen „Villabus“ zunächst quer durch die Altstadt, vorbei an Rathaus und Dom zum gut sechs Kilometer entfernten touristischen Highlight, der Villa romana del casale. Dabei handelt es sich um die Villa eines reichen Römers aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. mit ausgesprochen gut erhaltenen Mosaiken auf etwa 3.500 Quadratmetern Fläche. Der Eigentümer dieser etwa fünfzig Räume zählenden Villa war gewiss kein armer Mann. Die Mosaiken zeigen mythologische Motive, Darstellungen heimischer und exotischer Tiere und Jagdszenen. In einem der Gemächer findet man die, wie vielfach kolportiert wird, wohl erste Darstellung von Frauen im Bikini; ob es Bikinis sind, darüber lässt sich streiten.

01 Vielleicht die ersten Bikinis der Welt

Vielleicht die ersten Bikinis der Welt

Piazza Armerina sah ich mir dann auch noch an, soweit mir das der Regen – heute war ein ständiger Wechsel von Wolken, Regen und Sonne – erlaubte. Auf dem Markt verkauften Bauern ihre Erzeugnisse direkt von der Ladefläche ihres Autos, ein für Sizilien typisches Bild. Typisch auch die Altstadt, die sich an einen Berg schmiegt, auf dessen Gipfel sich der Dom erhebt. Prägend für das Stadtbild war vor allem die Adelsfamilie Trigani, eine jener berühmten gattopardi, denen Lucino Visconti mit seinem starbesetzten Film „Il gattopardo“ mit Burt Lancester, Alain Delong und Claudia Cardinale ein Denkmal gesetzt hat. Die Leoparden stehen in dem Ruf, jeglicher Veränderung, die ihre Stellung in der Gesellschaft und ihren wirtschaftlichen Einfluss beziehungsweise ihren Reichtum gefährdet, konsequent aus dem Weg zu gehen, notfalls ein Stück Land zu verkaufen, nur um den ihren Ansprüchen genügenden luxuriösen Lebensstandard des Adels gebührend aufrecht erhalten zu können.

02 Piazza Armerina

Piazza Armerina

Piazza Armerina trägt den Beinamen „Stadt der hundert Kirchen“. Gewiss, es sind viele, aber ob es so viele sind, wage ich zu bezweifeln. Zurück in Enna genoss ich die abendliche Sonnenuntergangsstimmung vom Rocca di Cerere.

03 Typisches Straсenbild aus Piazza Armerina

Typisches Straßenbild aus Piazza Armerina

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. September 2016 von in Aktuelles, REISE_koffer und getaggt mit .

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