Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Dark Space 2046 1 – Space Opera mit Heimatgefühlen

Dark Space 2046, aus der Feder des meinerseits sehr geschätzten Michael Piotrowski, ist nun schon eine geraume Zeit auf dem freien Markt, doch hat nach wie vor eine kleine Rezension verdient. Science-Fiction gibt es ja im Hörspielsektor so oft wie Reis in China, aber dieses Stück geht einen etwas anderen Weg: Statt der üblichen amerikanischen Pilot-Raumschiff-Heldenepen kommt Dark Space als charmantes Zeitreise-Drama in deutschen Gefilden daher.

darkspacecover

Und so läuft das: Die BRD präsentiert der Welt ein nunmehr nicht so geheimes Weltraumprojekt, das eine neue Riege von Abfangjägern begründen soll. Kommodore Ehrenberg (Marcel Mander) und Ina Brünning (Christiane Marx) sitzen an den Schalthebeln dieser Operation und gehen routiniert ans Werk. Der Pilot des Versuchsfliegers Draaken, Johann Brünning – zufälligerweise Göttergatte von Ina Brünning, gerät dabei aber in eine schwerwiegende Komplikation, die ihn aus dem Zeit-Raum-Gefüge der Gegenwart schleudert, während in selbiger statt der erwarteten Draaken, ein riesiges Objekt über der Erde abstürzt. Die Welt hält Johann Brünning folglich für Tod, während am Ende des Wurmlochs (?) eine neue, sehr unbequeme Gegenwart auf Johann wartet…

Wie bereits erwähnt, hebt sich Dark Space von anderen Reihen deutlich ab. Insofern hätte ein anderer, vielleicht deutscher Titel besser gepasst, denn unter „Dark Space“ erwartet man Sci-Fi-Einheitsbrei. Ist es aber nicht. Das Ding spielt in Deutschland, deshalb begegnen uns keine Johns & Bobs, sondern Heinz und Sarah Müller (kein Scheiß). Wir finden uns auch nicht auf Cape Canaveral oder Area 51 wieder, sondern in der Wittmund Air Base und dem Stützpunkt Schleswig-Jagel. Dark Space ist dabei hervorragend recherchiert und kommt folglich sehr glaubhaft rüber. Auch die gesamte neue Weltordnung hat Hand und Fuß, wenngleich man an ein geeintes Europa dieser Tage (noch) nicht glauben mag. Dennoch: In guter, alter Verne-Manier hat sich Michael Piotrowski hier sehr eingehend mit aktuellen Tendenzen und Fachartikeln auseinander gesetzt, um Science-Fiction in ihrem ureigensten Sinne zu produzieren.

Der erste Teil behandelt dabei hauptsächlich das Zeitreise-Vorkommnis und die Begebenheiten in der Zukunft. Es zeigt sich jetzt bereits, dass hinter dem „Unfall“ mehr steckt, als nur eine technische oder astronomische Anomalie. Die Staatsermittler des zukünftigen Europa werden auf den Fall aufmerksam und schalten sich höchst unangenehm ein. Meine Wenigkeit spielt dabei den schleimigen Ermittler Konrad. Aber sein Vorgesetzter Kosbap (Ernszt Dubitzky) ist noch eine ganze Ecke schärfer – so viel will ich schon mal verraten. In jedem Fall bietet Dark Space eine ganze Reihe von Verwicklungen und Zuspitzungen. Während der Plot anfangs noch recht langsam in Gang kommt, nimmt die Story später Fahrt auf und gipfelt in einem echten Finale mit Gänsehaut-Momenten (an dieser Stelle ein besonderes Lob an Christiane Marx für ihre glaubhafte Darstellung der Ina Brünning). Die Sprecherliste ist 1. ellenlang und 2. knorke. Besonders die Hauptrollen sind gut besetzt – ich bin mit allen warm geworden. Auch und vor allem Michael Gerdes und Marc Schülert passten gut zueinander. Das gilt auch für Marcel Mander und Christiane Marx, wobei sich Dennis Radzuweit nicht zu verstecken braucht. Er macht als Johann Brünning alles richtig. Das gilt auch für die gesamte tontechnische Produktion mitsamt Musik – alles in der Hand von Herrn Piotrowski. Lediglich das Cover haut mich nicht aus den Latschen. Da hätte ich mir für dieses so besondere Sci-Fi-Hörspiel eine andere, sehr besondere Aufmachung gewünscht.

Sei es drum, der Inhalt zählt und der ist absolut empfehlenswert. Traditionell produziert das Hörspielprojekt einen ganzen Haufen von Science-Fiction-Reihen, aber diese hat nun doch noch einen Weg gefunden, die üblichen Konventionen zu sprengen. Gerne mehr davon!

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RM Beyer

Über Martin Beyer-Festerling

Dipl.-Berufspäd. Martin Beyer-Festerling hat Medizin- und Pflegepädagogik sowie Philosophie an der TU Dresden studiert. Er schreibt Hörspielskripte und Kurzgeschichten, betätigt sich aber zudem als Sprecher und produziert hin und wieder Hörspiele.

Ein Kommentar zu “Dark Space 2046 1 – Space Opera mit Heimatgefühlen

  1. pio
    7. Februar 2016

    Als wäre es abgesprochen gewesen…heute geht die Produktion von Dark Space 3.1 an den Start! Danke für die tolle Rezension! LG, Pio

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. Februar 2016 von in Aktuelles, HÖRSPIEL_truhe und getaggt mit , , .

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