Die Belletristen

Erzählkunst in allen Formen und Farben

Sizilien – Ein Reisebericht (8. Teil)

Ragusa erhielt seinen Namen von Siedlern aus dem heutigen Dubrovnik. Zugverbindungen von Syrakus gibt es täglich nur zwei über Noto, Ávola und Modica, die Busverbindungen sind kaum besser. Reichlich zwei Stunden dauert die Fahrt in die 112 Kilometer entfernte Stadt. Vorbei an Olivenhainen, entlang wildromantischer Täler und immer wieder durch lange Tunnel zieht sich die Strecke quer durch die Monti Iblei.

Als ich mittags in Ragusa ankam, wirkte die Stadt wie ausgestorben. Erst an der Piazza San Giovanni, benannt nach der den Platz beherrschenden Kathedrale, zeigten sich ein paar Touristen, aber deren Zahl blieb den ganzen Tag über wohltuend begrenzt. In der Touristinformation wurde ich sogar gebeten, mich mit Namen und Wohnort zu registrieren. Übrigens entdeckte ich beim Überfliegen der heutigen Einträge keine deutschen Namen, sondern vorwiegend italienische und französische. Deutsche Touristen scheinen in Sizilien überhaupt etwas rar. Ragusa jedenfalls zeigte sich recht verschlafen, trotz Hauptsaison.

01 Ragusa Ibla

Ragusa Ibla

Die Stadt gliedert sich in drei Teile, einen Neustadt- und zwei Altstadtteile, wobei der Stadtteil Ragusa Ibla den eigentlichen historischen Kern bildet. Steigt man von der an die Neustadt angrenzenden Altstadt Richtung Vallata San Domenica hinab, ist Ibla, das sich wie die anderen Stadtteile auf einem der vielen Berge erhebt, zwischen denen sich tiefe Täler erstrecken, mit dem Duomo di San Gregorio im Zentrum sichtbar. Enge Gassen schlängeln sich immer bergauf zur Piazza Duomo, wo einige Cafés zum Verweilen einladen. Noch schöner aber sind die Giardini Iblei mit ihrer palmengesäumten Hauptachse und der Chiesa di San Giacomo. Treffend mit Worten beschreiben lässt sich die spektakuläre Lage von Ragusa kaum. In der Altstadt reiht sich Haus an Haus, zwischendrin immer wieder barocke Palazzi, und erst aus der Ferne betrachtet wird deutlich, wie die Häuserreihen am Berg scheinbar übereinanderstehen oder ineinander verschachtelt sind und vom alles überragenden Dom gekrönt werden.

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Fahrerisches Können ist auf diesen Straßen Voraussetzung

In einer Buchhandlung entdeckte ich die erst im April erschienene Autobiografie von Ennio Morricone (Inseguendo quel suono. La mia musica, la mia vita. Conversazioni con Alessandro de Rosa, Milano: Montadori 2016). Bleibt zu hoffen, dass die auch bald in deutscher Übersetzung vorliegt. Auch Giuseppe Tornatores – übrigens ein Sizilianer – Dokumentarfilm über Ennio Morricone (Lo sguardo della musica/The Glance of Music) habe ich in Deutschland bislang vergebens gesucht. Übrigens: Giuseppe Tornatores Film „Baaria“, gedreht in seinem Heimatort Bagheria, zeichnet am Beispiel der drei Generationen einer Familie ein sehr eindringliches Bild der Geschichte Siziliens im 20. Jahrhundert. Ennio Morricones Musik zu diesem Film, insbesondere die „Sinfonia per Baaria“, liefert ein erstklassiges musikalisches Porträt Siziliens, indem es ein derart lebendiges Bild von Land und Menschen offenbart, wie es zuvor wohl keinem anderen Komponisten gelungen ist.

03 Oft und Бberall zu sehen - Eidechsen

Oft und überall zu sehen: Eidechsen

Über Hagen Schäfer

Dr. Hagen Schäfer hat an der TU Chemnitz und der Universität Leipzig Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promovierte zum Hörspiel in der frühen Bundesrepublik. Er hat einige wissenschaftliche Aufsätze für Zeitschriften und Jahrbücher publiziert. Darüber hinaus ist er journalistisch tätig, schreibt kleinere Prosa und Hörspiele. In unserem Blog wird er auch dann und wann über seine Reisen berichten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. September 2016 von in Aktuelles und getaggt mit .

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